Moskau (dpa) - Die russische Justiz geht weiter kompromisslos gegen prominente Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin vor. Die Ermittlungsbehörden erhoben nun auch Anklage gegen den bekannten Oppositionsführer Alexej Nawalny wegen Veruntreuung.

Dem Blogger drohen zehn Jahre Haft, weil er einen Staatsbetrieb als Berater um umgerechnet 38 000 Euro betrogen haben soll. Der 36-Jährige, der zu den wichtigsten Organisatoren von Massenprotesten gegen Putin gehört, wies die Anschuldigungen als «völlig absurd» zurück. Die Opposition wirft der Justiz vor, Andersdenkende politisch kaltstellen zu wollen.

Nawalny dürfe seinen Wohnort nicht ohne polizeiliche Genehmigung verlassen, ordnete die Ermittlungsbehörde in Moskau nach Angaben der Agentur Interfax am Dienstag an. Die Grande Dame der russischen Bürgerrechtsbewegung, die 85 Jahre alte Ljudmila Alexejewa, nannte die Anklage einen «Angriff auf die gesamte Opposition». Mit seinen Enthüllungen von Korruptionsfällen bei staatlichen Stellen habe sich der Internet-Blogger offensichtlich im Kreml viele Feinde gemacht, sagte die Chefin des Helsinki-Komitees.

Nawalnys Slogan von der Putin-nahen Regierungspartei Geeintes Russland als «Partei der Gauner und Diebe» ist im Riesenreich längst zum geflügelten Wort geworden. Der Anwalt, der eine Zeit lang in den USA lebte, war in der Vergangenheit immer wieder auch als möglicher Präsidentschaftskandidat ins Spiel gebracht worden.

Seit Putins Rückkehr in den Kreml im Mai geht die Justiz verstärkt gegen Gegner des Präsidenten vor. So müssen sich drei Frauen der Skandalband Pussy Riot derzeit in einem umstrittenen Strafprozess in Moskau wegen einer Aktion gegen Putin in einer Kirche verantworten.