London (SID) - Geburtstagskind Michael Jung reckte nach seinem Goldritt die Siegerfaust in die Luft, Bundestrainer Hans Melzer machte Jubelsprünge, und die Freude bei den Teamkollegen war grenzenlos. Am vierten Wettkampftag der Olympischen Spiele haben die Vielseitigkeitsreiter der deutschen Mannschaft in London endlich die erste Goldmedaille beschert.

Welt- und Europameister Jung (Horb), Vize-Europameisterin Sandra Auffarth (Ganderkesee), Ingrid Klimke (Münster), Dirk Schrade (Sprockhövel) und Peter Thomsen (Lindewitt) lagen mit insgesamt 133,70 Punkten in der Endabrechnung vor Gastgeber Großbritannien (138,20) und Neuseeland (144,40).

"Das ist einfach phantastisch. Die Anspannung war sehr groß. Sam war in einer unglaublichen Verfassung", sagte Jung mit Blick auf seinen treuen Wallach: "Jetzt greifen wir auch im Einzel voll an." Dort belegt Jung vor der Entscheidung am Nachmittag (14.30/15.30) mit 40,60 Punkten den zweiten Rang hinter der Schwedin Sara Algotsson Ostholt (39,30). Sandra Auffarth (44,80) hat als Fünfte im Finale der besten 25 ebenfalls noch Medaillenchancen. Ingrid Klimke (48,30) fiel auf den achten Platz zurück.

An Jungs 30. Geburtstag bewiesen er und Sam im entscheidenden Ritt Nerven wie Drahtseile. "Die Strategie hieß, eine Null zu reiten, Ruhe bewahren, vorwärts galoppieren - das hat ja auch ganz gut geklappt", sagte Jung.

Ausgerechnet das Geburtstagskind, das bei der Dressur noch gepatzt hatte, sorgte mit seiner fehlerfreien Runde vor 23.000 Zuschauern, unter ihnen erneut die Prinzen William und Harry, im ausverkauften Stadion im Greenwich Park für die Entscheidung. Zudem hatte der Schwabe im abschließenden Einzelspringen die Chance, sich zum Doppel-Olympiasieger zu krönen.

So weit wollte Bundestrainer Melzer noch gar nicht blicken. "Wir waren auch 2008 in Hongkong Olympiasieger - aber hier im Mutterland der Vielseitigkeit ist das natürlich gigantisch", sagte Bundestrainer Melzer.

Nach Jung konnte Mannschafts-Olympiasiegerin Klimke ohne Druck reiten. Während ihr Pferd Abraxxas am Montag im engen Greenwich Park Vorteile hatte ("Ich bin echt froh, dass Braxxi so klein ist"), war dies im Springen aber ein Nachteil - sie kassierte neun Fehlerpunkte.

Eine hervorragende Leistung zauberte auch Auffarth in den Parcours. Mit Opgun Louvo ritt sie wie entfesselt, übersprang alle Hindernisse mühelos und qualifizierte sich mit 44,80 Punken in aussichtsreicher Position für das Einzelfinale.

Schrade, der zum Auftakt in der Dressur im Sattel von King Artus seine beste Punktzahl bei einer Vier-Sterne-Prüfung erreicht hatte, blieb ohne Abwurf. Allerdings hatte er den Geländeritt nicht in der geforderten Zeit beendet und dort wertvolle Punkte eingebüßt. Mit insgesamt 50,60 Punkten konnte er sich als viertbester Deutscher nicht mehr für den finalen Durchgang der Einzelentscheidung qualifizieren.

Als erster deutscher Reiter war Thomsen mit Barny durch den Parcours gefegt. Der zweite Mannschafts-Olympiasieger der deutschen Équipe, der durch eine schwache Dressur am Samstag bereits alle Medaillenchancen verspielt hatte, ließ die Stangen zweimal purzeln und beendete den olympischen Wettkampf mit 71,70 Strafpunkten.

Nach dem ersten Umlauf, der sowohl in die Mannschafts- als auch in die Einzelwertung einfloss, schloss ein zweiter Umlauf den olympischen Vielseitigkeitswettbewerb ab. In diesem kämpften die 25 bestplatzierten Reiter, allerdings nur die drei besten einer Nation, um die Einzelmedaillen. Aus deutscher Sicht zählte neben Jung noch Auffarth zu den Medaillenkandidaten.

Nach einem Ruhetag am Mittwoch geht es am Donnerstag mit den Dressur-Wettkämpfen weiter. Ohne Wunderhengst Totilas und dessen erkrankten Reiter Matthias Rath haben die deutschen Reiterinnen allerdings nur Außenseiterchancen.