Bonn (dpa) - Deutschland braucht dringend neue Stromnetze, um die Energiewende zu meistern, das ist bekannt. Nun schlägt die Bundesnetzagentur Alarm: Alles dauert zu lange, der Ausbau muss dringend beschleunigt werden.

Wie die Bundesnetzagentur in Bonn mitteilte, sei es bei der Mehrzahl der Projekte, die bereits vor der Energiewende angeschoben wurden, teils zu deutlichen Verzögerungen gekommen. «Der Ausbau des deutschen Höchstspannungsnetzes muss dringend beschleunigt werden», forderte Präsident Jochen Homann. Der weiterhin verzögerte Ausbau sei ein Beleg für Handlungsbedarf.

Weiter erklärte die Aufsichtsbehörde, seit Mai seien die bundesweiten Zahlen zum Netzausbau unverändert. Bisher seien lediglich 214 Kilometer von insgesamt gut 1800 Kilometer Leitungen aus dem Ausbaugesetz realisiert worden. Von 24 Leitungen seien nur zwei in Betrieb gegangen, bei 15 von 24 Vorhaben komme es zu einem Zeitverzug von voraussichtlich einem bis fünf Jahren.

In einem Interview in der «Passauer Neuen Presse» sprach Bundeswirtschaftsminster Philipp Rösler (FDP) dagegen von erheblichen Fortschritten beim Ausbau der Netze und verwies auf den Netzentwicklungsplan der Bundesregierung. «Dennoch müssen wir prüfen, ob und wie wir die Verfahren weiter beschleunigen können», sagte der Minister. Dazu zählten auch Überlegungen, vorübergehend europäische Umweltstandards außer Kraft zu setzen. Bei Klagen im Zusammenhang mit dem Bau von Leitungen müsse eine Gerichtsinstanz ausreichen.

Durch den Atomausstieg und den Ausbau der Erneuerbaren Energien geht der Bedarf an neuen Höchstspannungsübertragungsnetzen in den kommenden Jahren weit über die genannten 1800 Kilometer hinaus. Um den Ausstieg aus der Atomenergie zu schaffen, werden laut dem Netzentwicklungsplan der Bundesregierung 3800 Kilometer an neuen Stromautobahnen benötigt. Weitere 4400 Kilometer des bestehenden Netzes sollen optimiert und damit fit gemacht werden für die schwankende Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie.

Pressemeldung Bundesnetzagentur