London (dpa) - Erst der Achter, nun auch der Doppelvierer: Die deutschen Ruderer entpuppten sich auf dem Dorney Lake bisher als Gold-Sammler.

Die Crew um Schlagmann Tim Grohmann ließ am siebten Wettkampftag der Olympischen Spiele den großen Favoriten Kroatien hinter sich und sicherte dem deutschen Team in London das fünfte Gold. Als vierter deutscher Judoka gewann Andreas Tölzer in der britischen Hauptstadt eine Medaille. Der 32-jährige Schwergewichtler besiegte im kleinen Finale Igar Makaraw aus Weißrussland und holte wie Dimitri Peters tags zuvor Bronze.

Kugelstoßer David Storl unterstrich zum Auftakt der Leichtathletik-Wettbewerbe im ausverkauften Olympiastadion seine Ambitionen auf eine Medaille. Er wuchtete das Gerät auf 21,15 Meter und war damit Zweiter der Qualifikation hinter Reese Hoffa aus den USA. Ex-Europameister Ralf Bartels verpasste mit 20,00 Metern die Qualifikationsweite von 20,65 deutlich. Einen Start nach Maß erwischte im Siebenkampf Lilli Schwarzkopf, die in 13,26 Sekunden persönliche Bestzeit über 100 Meter Hürden rannte und im Hochsprung 1,83 Meter schaffte. Das reichte vorerst für Rang sieben.

Mit fünf Gold-, acht Silber- und sechs Bronzemedaillen belegte die deutsche Mannschaft nach 98 Entscheidungen den sechsten Platz in der Länderwertung. Zwei Mal Ruder-Gold holte am dritten Finaltag auf dem Dorney Lake Neuseeland durch Mahe Drysdale im Einer und den ungesteuerten Zweier. Im Frauen-Doppelzweier ging der Sieg an Großbritannien, das sich im Medaillenspiegel auf Rang vier schob.

Sabine Lisicki und Christopher Kas zogen beim Tennis-Turnier überraschend ins Mixed-Halbfinale ein und greifen nach einer Medaille. Auch die Dressur-Equipe hat Edelmetall fest im Visier. Nach dem Grand Prix belegt das deutsche Team hinter den Briten Rang zwei.

Bei den Fechtern setzte sich dagegen die Serie der Enttäuschungen fort. Das mitfavorisierte Säbel-Team schied im Viertelfinale mit 38:45 gegen Südkorea aus. Nicolas Limbach, Max Hartung und Benedikt Wagner sowie Ersatzmann Björn Hübner bleiben damit ohne Medaille. Letztmals hatte es mit dem Säbel 2000 deutsche Plaketten bei Olympia gegeben. Die Hockey-Herren schlugen Indien mit 5:2 und blieben mit dem dritten Turniersieg auf Halbfinal-Kurs.

Zwei Tage nach ihrem vorzeitigen Olympia-Aus über 100 Meter Freistil zog Britta Steffen über die halbe Distanz problemlos ins Halbfinale ein. Sie erreichte im Vorlauf 24,70 Sekunden und wurde damit Gesamt-Vierte. Die deutsche Männer-Staffel über 4 x 100 Meter Lagen zog als Vorlauf-Sechster ins olympische Finale ein. Das Frauen-Quartett schied auf Platz neun aus. Ruderer Marcel Hacker beendete das Einer-Finale als Sechster. Henrik Stehlik verfehlte den Einzug ins Trampolin-Finale als Neunter knapp.

Die deutschen Schützen sind bei Olympia weiter ohne Medaille. Christian Reitz kam mit der Schnellfeuerpistole nicht über Rang sechs hinaus. Gewehrschütze Daniel Brodmeier belegte mit dem Sportgewehr liegend den fünften Platz. Sara Goller und Laura Ludwig erreichten als erstes deutsches Beach-Volleyball-Team das Viertelfinale. Die Hamburgerinnen setzten sich im deutschen Duell mit 2:0 gegen Ilka Semmler/Katrin Holtwick durch.

Für Wirbel im deutschen Lager sorgte der Auszug der Ruderin Nadja Drygalla aus dem olympischen Dorf. Nach Medienberichten soll die Sportlerin mit einem Mann liiert sein, der im vergangenen Jahr in Rostock als Direktkandidat der rechtsextremen NPD zur Landtagswahl angetreten war. Laut Chef de Mission Michael Vesper hat sich Drygalla von rechtsradikalen Haltungen in ihrem Umfeld distanziert.