Rostock (SID) - Der Landesruderverband und der Landessportbund von Mecklenburg-Vorpommern wissen angeblich seit Herbst 2011 von dem Fall Nadja Drygalla. Das erklärte Michael Teich, Sprecher des Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern, dem SID am Freitag auf Anfrage.

"Wir haben den Landesruderverband und den Landessportbund über unsere Gespräche mit Nadja Drygalla und auch über ihre Entscheidung informiert, aus dem Dienst auszutreten", sagte Ministeriumssprecher Michael Teich. Er betonte, dass diese Informationen unmittelbar weitergereicht worden seien.

Zum Deutschen Ruderverband (DRV) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ist der Fakt, dass die Olympia-Ruderin Drygalla in Kontakt zur "offen agierenden rechtsextremistischen Szene" steht, angeblich nie vorgedrungen. DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, Chef de Mission der deutschen Olympiamannschaft in London, betonte am Freitag mehrfach, dass der DOSB erst seit Donnerstag von den Vorfällen um Drygalla weiß.

DRV-Justiziar Stefan Felsner sagte dem SID: "Wenn etwas in der Geschäftsstelle eingegangen wäre, wäre das zum Präsidium oder an mich gegangen. Der Landesruderverband hat uns nichts mitgeteilt. Das wäre mir bekannt." Ulrike Sennewald, Tochter von Landesruderverband-Präsident Hans Sennewald, saß mit Drygalla im Frauen-Achter in London.

Rudolf Borchert, Präsidiumsmitglied des Landessport-Bundes Mecklenburg-Vorpommern, bestritt, jemals vom Ministerium informiert worden zu sein. "Darüber habe ich nie etwas erfahren, auch in der letzten Präsidiumssitzung wurde bei uns nicht drüber gesprochen", sagte der sportpolitische Sprecher der Landes-SPD dem SID. Der Landesruderverband war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Drygallas Verein, der ORC (Olympischer Ruderclub) Rostock, und auch der für Mecklenburg-Vorpommers London-Starter zuständige Olympiastützpunkt in Rostock wollten sich zu dem Thema nicht äußern. Der Lebensgefährte von Drygalla, der im Landtagswahlkampf für die rechtsextreme NPD angetreten sein soll, ist angeblich bis 2007 ebenfalls für den ORC gerudert.

Die ehemalige Polizeianwärterin Drygalla hatte mit ihrer Behörde Gespräche geführt, die ihrem Austritt aus dem Dienst im September 2011 vorausgingen. "Nachdem im Jahr 2011 dem Innenministerium bekannt wurde, dass auch Personen zum Bekanntenkreis von Nadja Drygalla gehören, die der offen agierenden rechtsextremistischen Szene zugehörig sind, wurden mit ihr intensive Personalgespräche geführt", teilte das Ministerium am Freitag in einer Presseerklärung mit. Die Gespräche hätten dazu geführt, "dass Nadja Drygalla einen Antrag auf Entlassung stellte, welchem mit Wirkung vom 30.09.2011 stattgegeben wurde", hieß es weiter.

Die Ruderin war nach einem langen Gespräch mit Vesper am Freitagmorgen vorzeitig aus London abgereist.