London (SID) - Bühne frei für die Sprint-Show mit Usain Bolt: Mit dem Auftakt der olympischen Kernsportart Leichtathletik beginnt ab Freitag das Herz der Olympischen Spiele in London erst so richtig zu schlagen. Und wie ein Schrittmacher für die deutsche Leichtathletik könnte David Storl wirken: Sollte ihm gleich in der ersten von 47 Entscheidungen wie bei der WM 2011 der goldene Stoß glücken, wären die Pleite-Bilanzen von Athen 2004 (2 Medaillen) und Peking 2008 (einmal Bronze) bereits übertroffen.

"Ich will den anderen möglichst einen 22-m-Stoß vorsetzen und dann mal sehen, was passiert", sagt Storl, der die Weltelite in Daegu mit 21,78 m schockiert hatte. "Alles lief wie geplant", sagt Trainer Sven Lang vor dem Aufeinandertreffen mit den US-Stars Reese Hoffa sowie Ryan Whiting, der Storl im März bei der Hallen-WM trotz dessen Steigerung auf 21,88 geschlagen hatte. Storl rechnet auch mit Olympiasieger Tomasz Majeweski (Polen) und Vize-Weltmeister Dylan Armstrong (Kanada).

Deutsche Medaillen sind außerdem am Samstag möglich, wenn die WM-Zweite Nadine Müller (Halle/Saale) in den Diskusring tritt und zwei Weitspringer ihre Chance suchen: Europameister Sebastian Beyer (Hamburg/8,34 m) ist in diesem Jahr die Nummer drei der Welt, sein Vorgänger Christian Reif (Ludwigshafen/8,26) mit nun schmerzfreier Achillessehne Nummer acht.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat gut zwölf Anwärter auf Medaillen in seinen Reihen: Der sichereste Gold-Tipp ist Robert Harting. DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen baut uneingeschränkt auf den 2,01-m-Hünen: "Er ist mental stark und leistungstark."

Storl, Harting und drei weitere Werfer sollen wie bei der WM (3 Gold, 3 Silber, 1 Bronze) den Erfolg sichern. Dritter Weltmeister 2011 war Speerwerfer Matthias de Zordo. Der Saarbrücker ist wegen Ellbogenproblemen diesmal aber höchstens ein Joker. Erneutes Silber wäre für Nadine Müller ein Erfolg. Für Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler (LG Frankfurt) gilt dies ebenso. Halten die Nerven, wäre Speerwurf-Bronze möglich für Christina Obergföll, die den DLV 2008 in Peking vor der totalen Pleite gerettet hatte.

Die erste Zehnkampf-Medaille seit Frank Busemanns Silber 1996 in Atlanta scheint für Europameister Pascal Behrenbruch eher möglich als eine vierte Medaillen in Serie durch Siebenkämpferin Jennifer Oeser: Deren Vorbereitung litt unter Achillessehnenproblemen. Je eine Medaille durch die Stab-Duos Björn Otto/Malte Mohr sowie Silke Spiegelburg/Martina Strutz scheint machbar. Aus dem Kreis der Läufer könnten vier Männer auf der kurzen Distanz nach ihrem 4x100-m-Rekord von 38,02 Sekunden und die fast 40-Jährige Irina Mikitenko nach zwei Siegen beim London-Marathon in Medaillennähe rücken.

Doch die Bühne gehört am Wochenende den Sprintern. "Ich fühle mich großartig. Alles kommt zueinander", sagte Usain Bolt, der vor vier Jahren in Peking jeweils in Weltrekordzeit über 100, 200 und 4x100 m gesiegt hatte. Vergessen die Niederlagen gegen Team-Kollege Yohan Blake, der bewiesen hat, dass er nach Bolts Fehlstart-Desaster 2011 in Daegu nicht durch Zufall 100-m-Weltmeister wurde. "Ich esse, schlafe, denke und bete für dieses Finale", sagt der Heausforderer.

Jamaikas Leichathleten träumen nach sechsmal Olympia-Gold in Peking davon, der Leichtathletik-Großmacht USA (7 Siege 2008) den Rang abzulaufen. Doch auch Russland (6) sowie die Läufer-Nationen Kenia (5) und Äthiopien (4) haben erneut viele Siegertypen in ihren Reihen.

Weltrekorde könnten wie 2008 über 100 und 200 m sowie in der Sprintstaffel fallen, zudem im Hürdensprint. Über 800 m hat Kenias Weltrekordler David Rudisha schon eine entsprechende Ansage gemacht, im Zehnkampf Ashton Eaton (USA) unter miserablen Bedingungen bei den US Trials die Bestemarke auf 9039 Punkte gesteigert. Und für Jelena Issinbajewa heißt es im Stabhochsprung top oder Flop: Vor dem Griff nach dem dritten Olympia-Gold ist die Russin für einen weiteren "salto nullo" oder ihren 29. Weltrekord gut.