London (SID) - Georg Grozer fühlt sich vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) nicht ausreichend unterstützt, hat Berichte über eine angebliche Rücktrittsdrohung jedoch zurückgewiesen. "Ich habe nie mit Rücktritt gedroht, ich spiele mit Herz für Deutschland, das ist für mich eine große Ehre. Aber es sind auch andere Faktoren wichtig", sagte Grozer in London dem SID.

Grozer beklagte im Gespräch mit dem SID verschiedene Missstände. Der 27-Jährige fühlt sich von Anti-Doping-Vorschriften gegängelt. Zudem kritisierte er, dass deutsche Profis, die wie er im Ausland spielen, während ihrer Einsätze für den DVV nicht versichert seien. "Wenn ich mich verletze, werde ich von meinem Klub gekündigt. Aber ich habe eine Familie zu ernähren", sagte er. Noch in diesem Sommer wolle er mit dem Verband reden, "aber das ist keine Drohung".

Verbandspräsident Werner von Moltke wird am Montag nach London reisen und dort den Kontakt zu Grozer suchen, wie er dem SID sagte. Er wisse um die Versicherungs-Probleme, sagte der Funktionär: "Wir sind seit eineinhalb Jahren dran, aber da gibt es offene juristische Fragen." Von Moltke kündigte an, er werde die DOSB-Spitze in dieser Frage nach Olympia um Unterstützung bitten.

Ein Rücktritt Grozers wäre laut von Moltke "die falsche Reaktion. Mit uns reden und kritische Anregungen machen, wäre die richtige. Wir müssen und werden ihn anhören." Dass Grozer dem DVV vorhielt, seine wenigen Stars nicht professionell zu vermarkten, stieß bei von Moltke teilweise auf Verständis: "Wir machen einiges, aber Georg kann recht haben, dass da mehr geht." Mit dem positiven Auftritt der Volleyballer bei Olympia als Werbemittel wolle er sich in Kürze auf die Suche nach weiteren Sponsoren machen, sagte von Moltke.

Georg Grozer sr., früher selbst deutscher Nationalspieler, erhob unterdessen schwere Vorwürfe gegen den DVV. "Das letzte Land in Ost-Europa tut mehr für seine Spieler. Immer nur nehmen, nehmen und nehmen, aber nix geben", sagte er. Sein Sohn und andere rackerten sich "den Arsch ab für den Verband - und sind nicht mal anständig versichert. Die riskieren ihre Karriere für Deutschland. Das sind keine Fußballer, die im Jahr Millionen verdienen."