Hamburg (dpa) - Auf die harsche Kritik von Uli Hoeneß folgte die böse Diagnose der Bayern-Ärzte. Nationalstürmer Mario Gomez muss in der kommenden Woche operiert werden und steht den Münchnern möglicherweise länger nicht zur Verfügung.

Beim 27-Jährigen wurden freie Gelenkkörper im rechten Sprunggelenk festgestellt. «Ihm geht es nicht gut», sagte Sportvorstand Matthias Sammer. Die Dauer des Ausfalls ist nach Bayern-Angaben noch nicht abzusehen.

Gomez hatte wegen der Probleme bereits am Samstag im Test gegen Werder Bremen beim Kurzturnier «Liga total Cup» in Hamburg vorzeitig ausgewechselt werden müssen. Die Verletztenliste des Rekordmeisters wird durch den Gomez-Ausfall drei Wochen vor dem Bundesligastart nochmals länger. Seit Wochen fehlen bereits Rafinha (Bänderriss im Sprunggelenk) und David Alaba (Ermüdungsbruch im Fuß). Jüngst verletzte sich in Diego Contento (Haarriss im Fuß) auch noch ein dritter Außenverteidiger.

Nicht fit sind zudem Franck Ribéry (Schleimbeutelentzündung an der Ferse) und Neuzugang Claudio Pizarro (Hüftprobleme). Darüber hinaus sei Mittelfeldmotor Bastian Schweinsteiger schon wieder angeschlagen, hieß es auf der Bayern-Homepage. Eine Diagnose stehe noch aus. «Er ist ein bisschen umgeknickt. Aber es ist wohl nicht so schlimm», meinte Heynckes. «Es ist sehr bitter, dass sich jetzt einige Spieler verletzt haben. Das ist natürlich schlecht», urteilte er.

Mit der Verletzung des umstrittenen Stoßstürmers hat die tagelange Diskussion um Gomez' Leistungsfähigkeit vorerst ein Ende genommen. Bayern-Präsident Hoeneß hatte mit seiner lautstarken Kritik an Gomez nicht nur bei Beobachtern, sondern auch im Club selbst Verwirrung gestiftet. Schon am Samstag hatten Matthias Sammer und Jupp Heynckes äußerst gereizt auf die Worte vom mächtigen Münchner Alphatier gesorgt. «Dass Mario öffentlich kritisiert wird, lassen wir nicht zu», bekräftigte Sammer dem TV-Sender Sat.1.

Zwar habe Hoeneß «alle Rechte», aber «so richtig hat uns das nicht gefallen», bekräftigte der neue Sportchef am Rande des «Liga total Cups», bei dem die Bayern schon im Halbfinale im Elfmeterschießen an Bremen scheiterten, im Spiel um Platz drei aber dann den HSV schlugen. Mehr noch als das vorzeitige Aus dort ärgerte Trainer Heynckes und Sportvorstand Sammer die unnötige Gomez-Diskussion in der Bundesliga-Pause. Mit seinem Satz «Ich kann dem Präsidenten nicht verbieten, etwas zu sagen» deutete Heynckes an, wie deplatziert er die Aussagen von Hoeneß empfunden hatte.

Der hatte kritisiert, Gomez sei «gut, aber nicht sehr gut. Wenn er sehr gut wäre, wären wir jetzt Champions-League-Sieger». Später schob er nach, den Angreifer mit seiner forschen Aussage anstacheln zu wollen. «Früher konnte man einen Spieler mit so etwas noch einmal motivieren, das ist heute vorbei», meinte Heynckes dazu.

Sammer forderte ein einheitlicheres Auftreten. «Wenn wir den Schritt von gut zu sehr gut machen wollen, müssen wir das auch im gesamten Verein suchen», sagte er am Samstag und bekräftigte: «Wir müssen alle zusammen geschlossen nach außen wirken.»

Kurz vor dem Bundesligastart läuft lange noch nicht alles rund für die Bayern, das zeigte sich auch in Hamburg. Zwar spielte Heynckes die Bedeutung des Kurzturniers und die Niederlage im Halbfinale herunter, der Ärger um Gomez und die vielen Reisen machen ihm aber zu schaffen - die Verletztenliste kommt dazu. «Die Spieler müssen zu Kräften kommen, etwas, was beim FC Bayern mit den vielen Terminen und der China-Reise sehr schwierig ist», betonte der Trainer.

Auch das kurze erste Mitwirken des lange angeschlagenen Schweinsteiger nach dem EM-Aus der deutschen Nationalmannschaft verlief unglücklich. Ungewohnt hart stieg er gegen Werders Mehmet Ekici ein. «Er kam einen Schritt zu spät, das ist mangelnde Spielpraxis», sagte Heynckes, «er ist weiß Gott kein Foulspieler.» Und jetzt ist auch Schweinsteiger schon wieder angeschlagen.

Selbst die verschossenen Elfmeter von Franck Ribéry und Schweinsteiger, der zuletzt im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea vom Punkt versagt hatte, seien nicht von Belang: «Kein Spieler wird deswegen eine schlaflose Nacht haben.» Sportvorstand Sammer pflichtete ihm bei: «Ich habe auch viel von Traumata gehört, aber machen Sie sich keine Sorgen», versprach er.