London (SID) - London (SID) Ein Happy End in London blieb Britta Steffen verwehrt, jetzt denkt die Doppel-Olympiasiegerin von Peking an eine Fortsetzung in Berlin. "Die Leidenschaft ist ungebrochen - auf jeden Fall", sagte die 28-Jährige nach ihrem letzten Rennen im Aquatics Centre, bei dem sie über 50 m Freistil eine Medaille nur um sieben Hundertstel verfehlt hatte. "Dafür spricht, dass ich große Lust habe", betonte Steffen und fügte an: "Auch, dass die Europameisterschaft 2014 in Berlin ist."

Die EM in ihrer Heimatstadt reizt die Weltrekordlerin besonders, dafür würde sie ihre Karriere wohl noch zwei Jahre fortsetzen - trotz der Enttäuschungen von London. "Mir macht das Schwimmen richtig Spaß", sagte sie nach ihrem womöglich letzten olympischen Rennen, "aber man möchte natürlich auch vorne mitschwimmen."

Nachdem ihr über 100 m die nächste Generation davongeschwommen war, bewies Steffen auf der Kurzdistanz, dass sie noch mithalten kann. Das Alter spielt über 50 m Freistil keine große Rolle. Die Niederländerin Ranomi Kromowidjojo, die sie als Sprintkönigin auf beiden Strecken ablöste, ist zwar sieben Jahre jünger. Doch deren Landsfrau Marleen Veldhuis, die einen Wimpernschlag vor Steffen Bronze gewann, ist 33, die Sechste Therese Alshammar aus Schweden sogar noch ein Jahr älter.

Auf der kurzen Distanz weiterschwimmen, daneben nach abgeschlossenem Wirtschaftsingenieurs-Studium in den Beruf einsteigen - so hatte Steffens grobe Planung vor Olympia ausgesehen. Doch die Rückschläge in London mit dem vorzeitigen Aus über 100 m und in zwei Staffeln brachten sie ins Grübeln. Mehr als einmal deutete sie Abschiedsgedanken an, ihre Zeit über 100 m sei wohl vorbei, die Jugend nicht aufzuhalten.

Nach Platz vier in 24,46 Sekunden, ihrer zweitbesten Zeit ohne Hightech-Anzug, sah Steffen sich zumindest über 50 m noch konkurrenzfähig. Zwar sagte sie: "Ich weiß nicht ganz genau, wie die Entscheidung aussehen wird." Doch ihre Wunschkonstellation für die Zukunft äußerte sie bereits. Mit ihrem Heimcoach Norbert Warnatzsch wolle sie im Fall der Fälle weiter zusammenarbeiten und noch einen "jüngeren Trainer dazunehmen".

"Ob das so passt, entscheiden andere, da habe ich kein Wörtchen mitzureden und mit der Leistung hier noch weniger", sagte sie: "Von daher muss ich jetzt erst mal abwarten." Was denn überhaupt gegen eine Fortsetzung ihrer Karriere spreche, wurde sie gefragt. "Vielleicht, dass das Umfeld, gerade die deutschen Medien, sehr hart mit mir ins Gericht gehen", antwortete sie und fügte an: "Da bin ich manchmal ein bisschen ratlos, wie ich damit umgehen soll."

Steffen war unter anderem kritisiert worden, weil sie nach ihrem Halbfinal-Aus über 100 m gesagt hatte, sie sei zufrieden und freue sich, dass die anderen so schnell schwimmen. Zudem hatte die Bild-Zeitung berichtet, sie habe teamintern Kritik wegen ihres Staffel-Einsatzes einstecken müssen. Auf Warnatzschs Anweisung war sie nur 90 bis 95 Prozent geschwommen. Steffen und der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) dementierten.

Endgültig entscheiden will sie sich im Urlaub nach den Olympischen Spielen, zusammen mit ihrem Freund Paul Biedermann, der über seine verfehlten Ziele in London nachdenken wird. "Wenn ich in den nächsten Wochen runterfahre, wird sich sicherlich ein Gefühl einstellen", sagte Britta Steffen: "Aber eine wirkliche Tendenz gibt es im Moment nicht."