Darmstadt (dpa) - Zugegeben, gute Voraussetzungen sehen anders aus: Etliche Marsmissionen sind bislang gescheitert, das neueste Manöver ist nur am Computer erprobt worden und furchtbar komplex, der Landeplatz rund 250 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

Trotzdem herrscht am Montagmorgen eine geradezu aufgeräumte Stimmung bei den Wissenschaftlern der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa), bevor das ferngesteuerte Nasa-Roboterfahrzeug «Curiosity» auf dem Mars aufsetzt - nach mehr als acht Monaten Flug.

«Das ist die Ruhe vor dem Sturm», sagt ein Experte im Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt, das etwa so groß ist wie ein Tennisplatz. Prall gefüllt mit Flachbildschirmen, auf denen Fotos des Planeten Mars, komplizierte Diagramme und natürlich standesgemäß der Countdown bis zur Landung zu sehen sind.

Mit dem Aufsetzen des Rovers «Curiosity» auf dem Roten Planeten um 7.32 Uhr fällt auch den Darmstädtern ein Stein vom Herzen. Kurzer Applaus brandet auf, Umarmungen hier und dort: «Natürlich ist man glücklich, wenn man bedenkt, was alles schiefgehen kann bei so einer Mission», sagt der frühere Astronaut Thomas Reiter, der heute den Esa-Bereich Bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb leitet. Sein Zentrum in Darmstadt ist so etwas wie das «back-up»«, die Absicherung, für das Ereignis, das weltweit übertragen wird und für die Marsforschung ein Meilenstein werden soll.

«Wir haben vor allem die Zuschauerrolle hier, aber wir unterstützen die Nasa natürlich auch», sagt Manfred Warhaut, seit 2006 Leiter der Esa-Abteilung für den Missionsbetrieb. Denn «Curiosity» selbst kann aus der Mars-Atmosphäre zunächst nur wenige Informationen an die Erde schicken. Wobei diese unscharfen Schwarz-Weiß-Fotos und piepsenden Töne wenige Momente nach der Landung bereits ausreichen, um auch die Darmstädter Forscher glückselig zu machen.

Die Esa ist an diesem Morgen so etwas wie der Ersatzspieler in der Nasa-Mannschaft. Da nicht alles immer reibungslos verläuft, hatten die US-Amerikaner um Hilfe gebeten: nun zeichnet die seit 2003 im All kreisende Esa-Sonde «Mars Express» in den entscheidenden Momenten wichtige Daten über die Eintritts- und Landephase auf und liefert sie an die Nasa-Kollegen. «Wir sind für die Nasa so etwas wie ein Ass im Ärmel», sagt Warhaut.

Seit neun Jahren erforscht der Orbiter seines Zentrums intensiv den Nachbarplaneten. Und vor mehreren Monaten haben die Darmstädter Experten damit begonnen, dessen Umlaufbahn so anzupassen, dass er während des Abstiegs von «Curiosity» ein geeignetes Sichtfeld hat.

In dem Moment, in dem das erlösende «Touchdown completed» der Nasa auch nach Südhessen übertragen wird, hat sich die Esa-Arbeit eigentlich schon erledigt. Ein paar Stunden lang werden noch Informationen gesammelt, dann verschwindet der Mars-Express wieder aus dem Umfeld, um sein eigentliches Programm für die Esa abzuspulen. In den kommenden rund zwei Jahren könnte der Orbiter noch eingreifen, sollte der Kontakt zu «Curiosity» verloren gehen - «innerhalb von einem Tag wären wir mehr oder weniger am Ort, um zu schauen, wo der Fehler liegt», sagt Esa-Manager Michel Denis.

«Mars Express» dürfte allerdings auch ohne die Nasa in den kommenden Jahren ebenso ausgelastet sein wie die Esa. «Unsere Auftragsbücher sind voll, wir können uns über Arbeit nicht beklagen«, sagt Warhaut.

Interaktive Nasa-Webseite zur Mission

Nasa-Mitteilung zu Details der Mission

Nasa-Pressemitteilung zur Landung

Nasa-Informationen zu «Curiosity»

«Curiosity» bei Twitter

Esa zu Curiosity