London (SID) - Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat angesichts des Umgangs mit der Ruderin Nadja Drygalla eine öffentliche Wertediskussion angeregt. "Wir wollen, dass Sportler Vorbilder sind, und dazu gehört auch ein Leben außerhalb des Sports. Sportlerinnen und Sportler mit rechtsextremem Gedankengut wollen wir nicht. Allerdings hat die Ausforschung und die Betrachtung des Privatlebens dieser Sportlerinnen und Sportler Grenzen", sagte de Maizière in einem SID-Interview in London.

Er hinterfragte, inwieweit Drygalla für die Gesinnung ihres Lebenspartners, der ein führendes Mitglied der rechten Szene in Mecklenburg-Vorpommern gewesen sein soll, verantwortlich gemacht werden kann. "Hier handelt es sich um einen Freund eines jungen Menschen. Soll diese Frau dafür ein Leben lang stigmatisiert werden, weil sie in einer bestimmen Lebensphase einen Freund hatte?", fragte de Maizière: "Haben wir nicht auch Schamgrenzen bei der Ausforschung des Privatlebens von Sportlern? Irgendwo muss es dann doch auch mal aufhören. Was ist mit einem Bruder, einer Schwester, einem Onkel - wer soll alles dazugehören?"

De Maizière, der zwischen 2009 und 2011 als Innenminister auch für den Sport verantwortlich war, erklärte, er halte den Fall für "gut gelöst". Er solle "uns aber etwas nachdenklich machen, die Grenzen außerhalb des eigentlichen Lebens der Sportler etwas mehr zu beachten als zuvor".

Drygalla selbst zollte de Maizière Respekt: "Sie hat jetzt selber offengelegt, dass sie diesen Freund dazu überreden wollte, sich von der NPD zu trennen - oder, wenn er dabei bleibt, dass sie sich trennt. Mich hat das bewegt, aber geht das die Öffentlichkeit etwas an?"

Eine Aufnahme der Ruderin in die Sportförderung der Bundeswehr schloss de Maizière nicht aus. "Im Moment gibt es keinen Antrag von ihr auf Sportförderung in der Bundeswehr, und wenn es ihn gäbe, würden wir ihn prüfen, aber in Ruhe, und nicht in der Atmosphäre der letzten Tage", sagte de Maizière.

Drygalla, die im Zuge interner Diskussionen über die Beziehung zu ihrem Freund aus dem Polizeidienst ausgetreten war, hat beim Deutschen Ruderverband (DRV) einen Antrag auf Aufnahme in die Sportförderung der Bundeswehr gestellt. Dieser Antrag liegt nach ihrer vorzeitigen Abreise aus London und den Ereignissen der letzten Tage auf Eis.