London (SID) - Der frühere Zehnkampf-Weltrekordler Jürgen Hingsen fordert angesichts des bisher mäßigen Abschneidens der deutschen Athleten bei den Olympischen Spielen in London ein Umdenken. "Wir müssen uns gravierende Gedanken machen über die Sportförderung. Heutzutage kann man bei Olympia eigentlich nur noch als Vollprofi erfolgreich antreten", sagte der 54-Jährige dem Nachrichten-Sender N24: "Der Athlet hat mindestens einen Acht-Stunden-Vollzeittag, und das wird in allen Sportarten immer gravierender."

Für Hingsen, der nach Silber bei den Spielen 1984 in Los Angeles vier Jahre später in Seoul mit vier Fehlstarts über die 100 m im Zehnkampf ein besonderes Kapitel der deutschen Olympiageschichte schrieb, sind "die Strukturen zu eingefahren, wir müssen andere Förderungssysteme nach vorne bringen, die Deutsche Sporthilfe kann nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten im Amateursport wirtschaftliche Förderung leisten, das reicht aber nicht aus. Andere Länder investieren viel mehr Geld in den Sport."

Vor allem die frühe Förderung junger Talente vermisst Hingsen. "Die Sportler müssen eingebettet sein in ein System, in dem sie und die Trainer sich hundertprozentig auf ihren Sport konzentrieren können. Wir müssen in Zukunft erheblich mehr für die Förderung tun, das fängt schon in der Schule an, aber das Thema haben wir in Deutschland ja auch verpasst", sagte Hingsen.

"Wir brauchen schon in der Schule viel mehr leichtathletische Schulwettkämpfe, das findet dort doch alles nicht mehr statt. Da hat die Politik ganz klar versagt", sagte Hingsen: "Wenn wir das nicht ändern, werden wir bei den zukünftigen Olympischen Spielen im Medaillenspiegel immer weiter schrumpfen. Da muss gewaltig etwas passieren."