Münster (dpa) - Das geltende deutsche Recht zur Verteilung gespendeter Organe verletzt nach Ansicht des Medizinrechtlers Thomas Gutmann das Grundgesetz.

«Die Patienten sind bloße Objekte. Für sie interessiert sich unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten niemand», sagte der Professor von der Kolleg-Forschergruppe «Normenbegründung in Medizinethik und Biopolitik» an der Universität Münster in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Der Medizinrechtler kritisierte die Intransparenz der Vergabe. «Die eigentlichen Vergaberegeln werden bei der Stiftung Eurotransplant festgelegt. Sie sind geheim, das heißt, sie sind nur den Transplantationszentren zugänglich, nicht aber den Patienten.»

Gutmann betonte: «Wir haben schon im 18. Jahrhundert durchgefochten, dass die Bürger das Recht haben zu wissen, was über sie beschlossen wurde. Das hat heute Verfassungsrang. Aber für die Regeln, die bei Eurotransplant über Leben und Tod entscheiden, soll dies nicht gelten.» Gutmann gehört zum Exzellenzcluster «Religion und Politik» der Uni Münster.