London (SID) - Erst die Sperrstunde stoppte den Party-Zug der goldenen Beachboys. Als Julius Brink und Jonas Reckermann gerade so richtig die Nacht zum Tage machen wollten, erwiesen sich die Briten als Spaßbremsen. "Wir waren in einem Klub, und der hat schon um drei Uhr dicht gemacht, das war traurig", sagte Reckermann am Freitag mit müden Augen und leichtem Kater.

Der historische Triumph der deutschen Beachvolleyball-Sensation war gebührend begossen worden. Schon bei "Prezzo", dem Italiener an der U-Bahn-Haltestelle Charing Cross, waren sie hinauskomplimentiert worden. Sie zogen weiter, Brink mit der Goldmedaille um den Hals und einem goldenen Hut auf dem Kopf. Um 5.30 Uhr soll die Party-Tour beendet gewesen sein.

"Wir wollten diesen Moment mit unseren engsten Vertrauten genießen", sagte Brink: "Sie haben uns in den letzten drei Jahren auf dem harten Weg geholfen." Deswegen erschienen Brink/Reckermann auch nicht zum Athletenabend im Deutschen Haus, wo ihr Triumph zuvor ausgelassen bejubelt worden war. Sie feierten lieber mit Freunden und Verwandten, auch die Hallen-Volleyballer waren dabei, der Judoka Ole Bischof.

Ins Deutsche Haus kamen Brink und Reckermann am Freitag. So langsam ging ihnen schließlich auch auf, was sie wenige Stunden zuvor erreicht hatten. "Es kommt jetzt allmählich durch, was dieser Sieg bedeutet. So langsam gewöhne ich mich daran", sagte Reckermann: "Es ist unglaublich, dass wir Gold geholt haben. Es ist wie ein Traum."

Die Rheinländer, die allerdings für einen Berliner Verein gemeldet sind, schrieben in zweifacher Hinsicht Geschichte: Sie sicherten sich als erstes europäisches Duo Gold, und sie bescherten dem Deutschen Volleyball-Verband (DVV) den ersten Olympiasieg. Das dramatische 2:1 (23:21, 16:21, 16:14) gegen die brasilianischen Weltmeister Alison/Emanuel war die Krönung ihrer Karriere.

Als Brink und Reckermann ihre Medaillen um den Hals gehängt bekamen, schossen den coolen Beachboys Tränen in die Augen. "Es fällt schwer, das in Worte zu fassen. Es sind einfach Momente des puren Glücks. Für uns wird ein Lebenstraum wahr. Es wird Zeit brauchen, das alles zu verarbeiten", sagte Brink. Reckermann schloss seine schwangere Freundin Katja innig in die Arme.

Zahllose Glückwünsche haben Reckermann (33) und Brink (30) erreicht - auch von oberster Stelle. "Das war in meiner 15-jährigen Präsidentschaft das schönste Erlebnis. Die Auswirkungen, die diese Medaille hat, kann man noch nicht erfassen", sagte DVV-Präsident Werner von Moltke. Auch Jörg Ahmann, gemeinsam mit Axel Hager 2000 Bronzemedaillengewinner in Sydney, gratulierte: "Meine herzlichsten Glückwünsche an die beiden Überirdischen. Ich bin fast gestorben. Welch ein Spiel, was für ein Turnier."

Nach dem größten Spiel ihrer Karriere wollen die Weltmeister von 2009 noch nicht zu weit in die Zukunft blicken. Die WM in Polen im kommenden Jahr gehen sie auf jeden Fall gemeinsam an. "Alles danach ist gerade sehr, sehr weit weg, darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht", sagte Brink.

Gedanken machte er sich dagegen über die ganz nahe Zukunft: Schlafen ist angesagt.