Essen (dpa) - Die schwache Konjunktur macht dem größten deutschen Stahlkonzern ThyssenKrupp nun auch in seinem europäischen Stahlgeschäft schwer zu schaffen. Zudem sind die massiven Probleme mit den Stahlwerken in Brasilien und USA weiter ungelöst. Das schlägt sich in den Geschäftsergebnissen nieder.

Wie das Unternehmen am mitteilte, brach das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 (30.9.) um fast 80 Prozent auf 122 Millionen Euro ein. Im Vorjahreszeitraum hatte der Wert noch bei 570 Millionen Euro gelegen.

Nach Steuern ergab sich zwar ein Plus von 16 Prozent auf 238 Millionen Euro, so dass ThyssenKrupp im dritten Quartal schwarze Zahlen schrieb. Allerdings profitierte das Unternehmen dabei vom Verkauf der Eisengießerei Waupaca in den USA. Der Erlös trug auch dazu bei, die Schuldenlast von 6,5 Milliarden Euro im März auf nun 5,8 Milliarden Euro zu drücken. Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres schrieb der Konzern mit einem Minus von 220 Millionen Euro unterm Strich weiterhin rote Zahlen.

«Die schwache konjunkturelle Entwicklung und insbesondere die allgemeine Unsicherheit infolge der ungelösten Staatsschuldenkrise machen sich in unseren Märkten zunehmend bemerkbar», sagte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger. Auch im europäischen Stahlgeschäft spüre das Unternehmen nun eine «deutliche Zurückhaltung der Kunden». Das Geschäft mit Industriegütern habe sich dagegen vergleichsweise stabil entwickelt.

Der Konzernumsatz sackte im dritten Quartal um 7 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro ab. Die Zahlen beziehen sich nur auf das fortzuführende Geschäft. Die vor dem Verkauf an den finnischen Konkurrenten Outokumpu stehende defizitäre Edelstahlsparte ist dort herausgerechnet.

ThyssenKrupp hat die europäische Stahlproduktion bereits seit Monaten gedrosselt. Seit Anfang August arbeiten 2170 der insgesamt 17 500 Mitarbeiter der Sparte in Deutschland kurz. Trotzdem erwirtschaftete das Unternehmen von April bis Ende Juni mit der europäischen Stahlsparte noch schwarze Zahlen. Die amerikanische Stahlsparte meldete dagegen auch im dritten Quartal tiefrote Zahlen. Den seit Beginn des Geschäftsjahres aufgelaufenen Verlust bezifferte das Unternehmen auf 781 Millionen Euro. Hintergrund sind anhaltende Probleme mit den Stahlwerken in Brasilien und den USA, die sich als Milliardengrab erwiesen haben.

Der Bau und Hochlauf beider Werke hat bislang rund zwölf Milliarden Euro verschlungen. Allein im vergangenen Jahr hatten notwendig gewordene Wertberichtigungen zu einem Konzernverlust von 1,8 Milliarden Euro geführt. Schon die Baukosten waren aus dem Ruder gelaufen, dann gab es immer wieder technische Probleme.

Konzernchef Hiesinger, der die beiden Werke auf den Prüfstand gestellt und auch einen Verkauf nicht ausgeschlossen hatte, bestätigte Gespräche mit möglichen Investoren. Namen nannte er nicht. ThyssenKrupp spüre jedoch ein «reges Marktinteresse». Die Frage ist allerdings, ob ThyssenKrupp seine Preisvorstellungen verwirklichen kann.

Für das Gesamtjahr hielt das Unternehmen an seiner Prognose fest und stellte weiterhin einen bereinigten operativen Gewinn ohne die Edelstahlsparte in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionen-Betrags in Aussicht. Eine Prognose für das Ergebnis nach Steuern gibt es nicht.

ThyssenKrupp-Zwischenbericht