London (SID) - Nach Ende der Olympischen Spiele in London geht die Diskussion um das Abschneiden der deutschen Athleten weiter. DOSB-Generaldirektor Michael Vesper schlug eine Zentralisierung der Trainingspläne vor. "Wir müssen solche Überlegungen anstellen, wenn wir in den Sportarten, in denen wir dieses Mal schlecht abgeschnitten haben, besser abschneiden wollen", sagte Vesper im hr-Info.

Laut Vesper sei dies eine Möglichkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse praktisch umzusetzen und unterschiedlichen Trainingsinhalten und -methoden entgegenzuwirken. Deutschland hatte in London elf Gold-, 19 Silber- und 14 Bronzemedaillen geholt und damit in der Medaillenwertung den sechsten Rang belegt. Das deutsche Olympiateam hatte damit sein hochgestecktes Medaillenziel meilenweit verfehlt.

Kritik an der Verteilung der Fördermittel übte derweil die zweimalige Hochsprung-Olympiasiegerin Ulrike Nass-Meyfarth. Die 56-Jährige betonte, dass zwar genügend Geld vorhanden sei, dieses jedoch falsch verteilt werde. Die Fördergelder müssten an die Stellen vergeben werden, "wo eben Potenzial vorhanden ist und wo richtig gearbeitet wird. Das muss auch transparent geschehen, sodass jeder weiß, wo diese Steuergelder landen", sagte Nasse-Meyfarth dem rbb-Inforadio.

Zudem müssten sich der Staat und die Sportverbände stärker darum bemühen, den Sportlern eine berufliche Perspektive nach der aktiven Karriere zu ermöglichen. Es fehle ein Versprechen, dass den Athleten ein Gefühl der Absicherung beim Übergang in den Beruf gebe.

Am Samstag hatte Vesper in seiner Olympia-Bilanz die Ergebnisse der Athleten noch gelobt: "Erstmals seit Barcelona 1992 ist es wieder gelungen, mehr Medaillen zu gewinnen als bei den letzten Spielen vier Jahre zuvor", erklärte der Chef de Mission - fügte aber angesichts von nur 11 Goldmedaillen gleich hinzu, dass vor den Sommerspielen in Rio de Janeiro noch viel Potenzial vorhanden sei und er "manche Medaille lieber in einer anderen Farbe gesehen" hätte.