Damaskus/New York (dpa) - Die Beobachtermission der Vereinten Nationen in Syrien wird wegen der ausufernden Gewalt im Land nicht verlängert. «Unsmis wird auslaufen», sagte der französische UN-Botschafter Gérard Araud nach Beratungen des Weltsicherheitsrats in New York.

«Wir alle hatten das Gefühl, dass die Bedingungen für eine Verlängerung nicht gegeben sind.» Nach UN-Angaben sind 2,5 Millionen Menschen in Syrien auf Hilfe angewiesen. Die humanitäre Lage habe sich massiv verschlechtert, sagte UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mahnte vor dem Treffen des Weltsicherheitsrates: «Die Menschen in Syrien haben zu viel und zu lange gelitten. So kann es nicht weitergehen.»

Das Unsmis-Mandat läuft an diesem Sonntag um Mitternacht aus. Für eine Verlängerung hätten zwei Bedingungen erfüllt werden müssen: weniger Gewalt und kein Einsatz von schweren Waffen mehr. Die Präsenz der UN in Syrien werde aber andauern, sagte Araud. In einem Brief an Ban habe er die Eröffnung eines Verbindungsbüros in Damaskus unterstützt. Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin kündigte für diesen Freitag ein Treffen der Syrien-Aktionsgruppe gemeinsam mit den Botschaftern des Irans und Saudi-Arabiens in New York an.

Die unbewaffnete Beobachtertruppe hatte ihre Arbeit in Syrien im April begonnen, war aber von Anfang an auf Widerstand gestoßen. Zwei Monate später zogen sich die 300 Mann wegen der zunehmenden Gewalt in die Kasernen zurück oder verließen das Land. Auch der Friedensplan von Sondervermittler Kofi Annan bestand von Anfang an nur auf dem Papier.

Selbst in der muslimischen Welt gerät das Regime von Machthaber Baschar al-Assad zunehmend ins Abseits. Mit großer Mehrheit beschlossen die islamischen Länder in der Nacht zum Donnerstag in der saudischen Stadt Mekka, die Mitgliedschaft Syriens in der Organisation der Islamischen Kooperation (OIC) auszusetzen. Die Teilnehmer des Treffens seien sich einig, dass die Gewalt umgehend aufhören müsse, hieß es. Dem Beschluss seien «hitzige Debatten hinter verschlossenen Türen» vorausgegangen, sagte ein arabischer Diplomat der Nachrichtenagentur dpa.

Die Arabische Liga und die meisten ihrer Mitglieder hatten schon im vergangenen November mit dem Assad-Regime gebrochen. Saudi-Arabien, Katar, Jordanien und die Türkei unterstützen die syrischen Rebellen.

«Die humanitäre Lage hat sich verschlechtert, seitdem ich im März hier war», sagte UN-Nothilfekoordinatorin Amos in Damaskus. Es fehle an Lebensmitteln, Unterkünften, sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen. Darüber hinaus würden die UN durch die anhaltende Gewalt daran gehindert, den Menschen ausreichend Hilfe zukommen zu lassen. Auch gebe es dafür zu wenig finanzielle Mittel.

Nach Angaben von Aktivisten wurden am Donnerstag mindestens 62 Menschen von den Regierungstruppen getötet, die meisten davon in der Provinz Aleppo. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) berichtete, beim Abwurf von mindestens zwei Bomben sei dort am Mittwoch in der Ortschaft Asas ein ganzer Häuserblock in Schutt und Asche gelegt worden.

Mindestens 52 Zivilisten wurden nach Oppositionsangaben getötet, über 100 Menschen seien verletzt worden. Unter den Opfern seien viele Frauen und Kinder. «Die syrischen Regierungsstreitkräfte haben wieder einmal unter kaltschnäuziger Missachtung des Lebens von Zivilisten angegriffen», erklärte die HRW-Expertin Anna Neistat.

Seit Beginn des Syrienkonflikts im März 2011 starben nach UN-Schätzungen mindestens 18 000 Menschen, Oppositionsgruppen sprechen von mehr als 20 000 Toten. Mindestens 150 000 Menschen flohen nach UN-Angaben in Nachbarländer.

Der französische Außenminister Laurent Fabius rief Assad erneut zum Rücktritt auf. «Wir sehen, dass Assad sein eigenes Volk abschlachtet. Er muss gehen, und je früher, desto besser», sagte Fabius bei einem Besuch in der jordanischen Zeltstadt Saatari, die für syrische Flüchtlinge eingerichtet wurde.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte erneut vor einer Militärintervention in Syrien. In einem Interview des Senders rbb-Inforadio sagte er: «Es ist offensichtlich, dass ein militärisches Eingreifen auch zu einem Flächenbrand in der Region führen könnte.»

Der blutige Konflikt schwappt indes gefährlich auf den Libanon über. Ein Clan greift dort zum Faustrecht, weil ein Angehöriger im Nachbarland den Rebellen in die Hände fiel. Dutzende Araber aus den sunnitisch beherrschten Golfstaaten machten sich am Donnerstag auf den Weg von Beirut in ihre Heimat, nachdem ihre Regierungen Reisewarnungen für den Libanon veröffentlicht hatten. Hintergrund ist die Entführungsdrohung eines schiitischen libanesischen Familienclans.

Interview Westerwelle