München (dpa) - Ex-MAN-Vorstand Anton Weinmann muss sich seit Donnerstag in einem Korruptionsprozess vor dem Landgericht München I verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Manager vor, von Bestechungsfällen beim Verkauf von Bussen und Lkw nicht nur gewusst, sondern diese Praxis auch genehmigt zu haben.

Wie Konzernchef Håkan Samuelsson und andere Manager musste auch Weinmann seinen Posten 2009 räumen. Bereits vor Prozessbeginn wehrte sich Weinmann gegen die Anklage und zeigte zwei Staatsanwälte an, blieb aber erfolglos.

Noch vor Verlesung der Anklage wandte sich Richter Hans-Joachim Eckert in einer Erklärung an Weinmann - ein ungewöhnlicher Vorgang. «Ich habe das noch nie gemacht», sagte der erfahrene Richter. Es mute seltsam am, dass Weinmann mit Anzeigen gegen Staatsanwälte auf die Anklage reagiere. Das Strafverfahren biete Beschuldigten viele Möglichkeiten der Einflussnahme und Beschwerde.

Dass es zwischen den Ermittlern und dem Gericht etwa Gefälligkeitsentscheidungen bei der Zulassung von Anklagen oder gar Kumpanei geben könne, «weise ich entschieden zurück», sagte Eckert. «Wir leben in einem Rechtsstaat.» Weinmann erwarte natürlich ein faires Verfahren. «Ich weiß nicht, was am Ende dieses Verfahrens stehen wird.» Es gebe kein Vorurteil.

Weinmann versuchte zudem zu verhindern, dass der Kern der Klageschrift vor Verfahrensbeginn - wie üblich - an die Medien gegeben wird. «Ob es sinnvoll ist, gegen eine Vorberichterstattung vorzugehen, will ich nicht bewerten», sagte Eckert. Die öffentliche Verhandlung sei aber ein Kern der Demokratie. Die Öffentlichkeit habe ein Recht, über Verfahren informiert zu werden. Das sicherzustellen, sei eine Pflicht der Medien. Die Anklage lautet auf Beihilfe zur Bestechung im geschäftlichen Verkehr. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage bis 5. September angesetzt.

MAN war 2009 von der Schmiergeldaffäre erschüttert worden. Weinmann hatte seit 2005 die Lkw-Sparte geleitet. Der Konzern hatte wegen der Schmiergeldaffäre eine Geldbuße von 150 Millionen Euro an die Justizkasse gezahlt. Der frühere Vorstandschef der Turbo-Sparte und der frühere Vertriebsvorstand der Nutzfahrzeugsparte wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Gegen Samuelsson wird nicht ermittelt.