Kiel (SID) - Im Missbrauchsverfahren gegen einen Olympia-Trainer des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) hat das Kieler Amtsgericht die Entscheidung erneut vertagt. Nach mehr als achtstündiger Verhandlung und der Anhörung von zwei Zeuginnen unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Donnerstag ist mit einem Urteil frühestens bei der Prozess-Fortsetzung am Freitag (11.00 Uhr) zu rechnen. Dann werden bis zu drei neue Zeugen der Verteidigung geladen sein.

"Das ist ein sehr komplexer und schwieriger Sachverhalt", sagte Verteidigerin Annette Marberth-Kubicki nach dem Verhandlungsmarathon am Donnerstag, "ein Urteil ist nicht abzusehen." Die Anwältin war vom Angeklagten kurzfristig als zweite Verteidigerin hinzugezogen worden.

Dem Beschuldigten, der bei den Olympischen Spielen in London die deutschen Beckenschwimmer betreute, wird sexueller Missbrauch einer Schutzbefohlenen in 18 Fällen vorgeworfen. Er soll das Betreuungsverhältnis ausgenutzt haben, um die junge Sportlerin zum Sex zu bewegen.

Zuvor hatten in Saal 8 des Kieler Amtsgerichts zwei Zeuginnen stundenlang ausgesagt. Inhalte der Befragungen wurden nicht bekannt, da die Hauptverhandlung aus Rücksicht auf das Persönlichkeitsrecht des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Diserse Anträge der Verteidigung wurden abgewiesen.

Laut Anklage soll es zu ersten sexuellen Handlungen des Beschuldigten mit der damals Minderjährigen 2004 auf Kreta gekommen sein, weitere Fälle sollen sich bis März 2006 unter anderem in Kiel ereignet haben. Dabei habe der Trainer die Sportlerin teilweise zum ungeschützten Geschlechtsverkehr überredet, obwohl diese zuvor ihre Ablehnung geäußert habe. Anzeige wurde erst im August 2009 erstattet, die Staatsanwaltschaft erhob daraufhin im September 2011 Anklage.

Der DSV und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) waren von den Anschuldigungen bei den Olympischen Spielen in London nach eigenen Angaben überrascht worden. Als die Vorwürfe an die Öffentlichkeit gelangten, war der Trainer, der den Prozess verschwiegen hatte, bereits abgereist. Die Wettbewerbe im Beckenschwimmen waren schon beendet.

Im Falle einer Verurteilung droht dem Übungsleiter eine Haftstrafe von bis zu vier Jahren.