Köln (SID) - Strafrechtlich ohne Folgen, doch sportjuristisch drohen Konsequenzen: Nach Einstellung des Ermittlungsverfahrens durch die Staatsanwaltschaft Freiburg prüft die Nationale Anti Doping Agentur (NADA), ob Athleten wie der ehemalige Radsport-Star Andreas Klöden oder die Sportärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid gegen Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen haben. Die NADA hat dringend um Einsicht in die staatsanwaltlichen Akten gebeten.

Beide Ärzte wurden in den Ermittlungsakten von Oberstaatsanwalt Christoph Frank beschuldigt, dass sie am Eigenblutdoping bei Radprofis des Rennstalls Team Telekom beteiligt waren und Radsportler systematisch dopten. Sie konnten jedoch juristisch nicht belangt werden, weil Eigenblutdoping zur Tatzeit nicht strafrechtlich verboten war. Fest steht, dass von 1995 bis 2006 im Bonner Radprofi-Team mit Hilfe von Heinrich und Schmid systematisch gedopt worden ist. Die beiden Mediziner betreuten die Profis auch schon bei Olympia 2000 in Sydney, als Jan Ullrich das Straßenrennen vor Alexander Winokurow (Olympiasieger 2012) und Klöden gewann.

Ebenso stellte die Staatsanwaltschaft bei Einstellung des Verfahrens fest, dass Athleten gedopt hätten, vornehmlich Andreas Klöden. Dieser streitet dies trotz belastender Aussagen jedoch für das Jahr 2006 ab. Hier wäre er noch zu belangen, denn die Verjährung setzt nach acht Jahren erst 2014 ein.

"Mit der Akteneinsicht sind für uns die Voraussetzungen geschaffen, um auf sportgerichtlicher Ebene zu prüfen, ob Verfahren wegen Verstößen gegen Anti-Doping-Bestimmungen gegen Athleten oder Athleten-Betreuer auf den Weg gebracht werden können", sagte Dr. Lars Mortsiefer, Chefjustiziar und Vorstandsmitglied der NADA.