Frankfurt/Main (SID) - Der einflussreiche Leichtathletik-Manager Jos Hermens ist überzeugt, dass aktuelle Spitzenläufer ihre Erfolge unter anderem auch leistungssteigernden Mitteln zu verdanken haben. "Ich glaube, viele nehmen Schilddrüsenhormone", sagte der 62 Jahre alte Niederländer im Gespräch mit der FAZ.

Schilddrüsenhormone sind für das Wachstum und die Reifung des menschlichen Körpers unentbehrlich und haben beispielsweise vielfältige Wirkungen auf die Muskulatur und das Herz. Seit Monaten habe Hermens daher beim Weltverband nachgefragt, "warum das nicht auf der Dopingliste steht". Bislang ohne Erfolg, da das Mittel laut offiziellen Angaben in Tests nicht nachweisbar sei. "Aber man kann es auf die Liste setzen. Dann könnte man in vielleicht in einigen Jahren die Proben von heute darauf testen. Solange es nicht verboten ist, kann jeder machen, was er will", so Hermens.

Bei den Olympischen Spielen in London seien einige der gezeigten Leistungen mit Vorsicht zu genießen. "Es gab einige auffällige Rennen. Wer das 1500-m-Finale und das Halbfinale mit 30 Metern Vorsprung gewinnt wie Taoufik Makhloufi...", nennt Hermens als prominentes Beispiel skeptisch.

Er hofft daher, dass die weißrussische Kugelstoßerin Nadeschda Ostaptschuk nicht der letzte Dopingfall bei Olympia bleiben wird. "Ich hoffe, dass noch einiges rauskommt bei den Tests aus London", sagte Hermens. In der britischen Metropole waren 70 Sportler von ihm gestartet, unter anderem Marathon-Sieger Stephen Kiprotich aus Kenia. Im Medaillenspiegel brachten es seine Läufer in diesem Jahr auf zehn Medaillen.