New York/Jerusalem (dpa) - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon will gegen den Widerstand der USA und Israels zu Gesprächen mit der iranischen Führung nach Teheran reisen.

Sein Sprecher Martin Nesirky kündigte an, dass Ban ein Treffen der Blockfreien Staaten nächste Woche im Iran nutzen wolle, um mit dem religiösen Führer, Ajatollah Ali Chamenei, sowie Präsident Mahmud Ahmadinedschad zu sprechen.

Damit haben die Bemühungen Bemühungen Israels und der USA, den Iran international zu isolieren, einen Rückschlag erlitten. Nachdem sie die Reise nicht verhindern konnten, forderten die Regierungen beider Länder Ban auf, in Teheran Tacheles zu reden. «Er hat eine Gelegenheit, den iranischen Führern direkt zu sagen, was die Sorgen der internationalen Gemeinschaft sind», sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, am Mittwoch (Ortszeit) in Washington. «Er muss diese Gelegenheit wahrnehmen.»

Ähnlich äußerte sich die Sprecherin des Außenministeriums in Jerusalem, Ilana Stein, am Donnerstag: «Zweifellos wird das iranische Regime die Konferenz dazu missbrauchen, von seinen Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung, dem illegales Streben nach Atomwaffen sowie von Terrorismus und der Unterstützung für (Syriens Staatschef Baschar al-) Assad abzulenken». Sie fügte hinzu: «Dies sind sehr gute Gründe, nicht nach Teheran zu reisen. Aber wir erwarten, dass alle, die dennoch hinfahren, nicht der iranischen Propaganda auf den Leim gehen, sondern ihre Meinung über den Iran und das Ajatollah-Regime deutlich machen.»

Das Treffen der Blockfreien Staaten ist für die Zeit vom 29. bis 31. August anberaumt. Als die Reisepläne Bans Anfang August bekanntgeworden waren, hatte Netanjahu in einem Telefonat mit dem UN-Generalsekretär von einem «schrecklichen Fehler» gesprochen. Ban dürfe nicht ein Regime aufwerten, das der Welt mit Terror und Israel mit Vernichtung drohe.

Erst vergangenen Samstag hatte sich Ban bestürzt über neue Verbalattacken Ahmadinedschads gegen Israel geäußert. Der iranische Präsident hatte Israel als «ein Krebsgeschwür» bezeichnet und dem jüdischen Staat abermals das Existenzrecht abgesprochen.

Beunruhigt ist die Regierung in Jerusalem auch über die Teilnahme des neuen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi an der Teheran-Konferenz. Es ist der erste Besuch eines ägyptischen Präsidenten im Iran seit 1979. Kairo und Teheran unterhalten keine diplomatischen Beziehungen, seit Ägypten im Jahr 1979 Frieden mit Israel schloss. Seit dem Sturz Husni Mubaraks entspannte sich das Verhältnis zwischen den beiden islamischen Ländern etwas.

Bans Sprecher Nesirky verteidigte die Reisepläne. Der UN-Chef werde alle Themen ansprechen, die der internationalen Gemeinschaft unter den Nägeln brennen, darunter Teherans Drohungen gegen Israel, die Sorge um das Nuklearprogramm der Iraner, Terrorismus und die Menschenrechte. Auch die Krise in Syrien, einem Verbündeten des Iran, werde Thema sein.

Der Westen verdächtigt die Führung in Teheran, unter dem Deckmantel einer zivilen Forschung Atomwaffen zu entwickeln. Der Iran bestreitet das. Israel betrachtet des iranische Atomprogramm als die derzeit größte Bedrohung seiner Existenz. Israel hat dem Iran indirekt mit einem Militärschlag gedroht. In Medien gab es zuletzt Spekulationen, dass Israel noch vor der US-Präsidentenwahl im November iranische Atomanlagen angreifen könnte.

Artikel New York Times