Bad Homburg/Bad Neustadt (dpa) - Die erbitterte Übernahmeschlacht um Rhön-Klinikum ist vorerst beendet. Der Medizinkonzern Fresenius warf am Montag das Handtuch, weil er auch bei einer neuen Offerte für den fränkischen Klinikbetreiber nicht die unternehmerische Führung erlangt hätte.

Fresenius werde den Aktionären von Rhön-Klinikum bis auf Weiteres kein neues Übernahmeangebot unterbreiten, teilte der Dax-Konzern in Bad Homburg mit. Damit haben die Fresenius-Widersacher Asklepios und B. Braun ihr Ziel erreicht.

Die Suche nach konstruktiven Lösungen sei gescheitert, erklärte Fresenius-Chef Ulf Schneider. Er bedauerte, dass der Übernahmeversuch blockiert wurde. Ähnlich äußerte sich Rhön-Klinikum. Fresenius ließ sich allerdings eine Hintertür offen.

Der Konzern kündigte an, den Anteil an Rhön von derzeit etwas unter fünf Prozent in «begrenztem Umfang» aufbauen zu wollen. Auf diesem Weg wollen sich die Hessen die «Handlungsmöglichkeiten im Hinblick auf eine weitere Konsolidierung im Krankenhausmarkt offen» halten. Asklepios und B. Braun halten ebenfalls jeweils etwas mehr als fünf Prozent.

Fresenius hatte Rhön für 3,1 Milliarden Euro übernehmen und in die eigene Krankenhaustochter Helios integrieren wollen. Damit wäre der mit Abstand größte private Krankenhauskonzern Deutschlands entstanden. Dieser Versuch war im Frühjahr unter anderem an der hohen Annahmeschwelle von 90 Prozent gescheitert. Konkurrent Asklepios hatte den Deal auf der Zielgerade verhindert, indem er selbst im großen Stil Rhön-Aktien kaufte.

Bei einer neuen Offerte hätte sich Fresenius mit deutlich weniger Anteilen - etwas mehr als 50 Prozent - an Rhön-Klinikum zufrieden gegeben, wenn der Konzern die unternehmerische Führung bekommen hätten. Fresenius ging es dabei dem Vernehmen nach vor allem um die Besetzung des Aufsichtsrats und des Vorstands.

«Leider konnte keine hinreichend verlässliche Grundlage für die Verwirklichung der unternehmerischen Ziele geschaffen werden», erklärte Fresenius. «Die Rahmenbedingungen bei Rhön-Klinikum sind nicht so, dass wir die Führung des Unternehmens sicher haben», sagte ein Unternehmenssprecher. Entsprechend sei eine Milliardeninvestition zu riskant und nicht vertretbar. Gerüchte und Spekulationen, wonach Vorstandschef Schneider eine mögliche neue Offerte mit seinem Schicksal bei Fresenius verbunden habe, wies ein Sprecher zurück: «Da ist nichts dran», sagte er.

Da viele Investoren bis zuletzt auf eine neue Offerte der Bad Homburger gesetzten hatten, stürzte die im MDax-notierte Rhön-Aktie am Vormittag um 20 Prozent ab. Das Fresenius-Papier profitierte dagegen von dem Rückzug und setzte sich mit einem Plus von zwei Prozent an die Dax-Spitze.