Berlin (dpa) - Ärzte und Kassen ringen weiter um Honorare, Leidtragende könnten die Patienten sein. Die Mediziner drohen mit Streik, sollten ihre Forderungen unerfüllt bleiben. Bringen die Verhandlungen noch einen Kompromiss?

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sieht auch die Krankenkassen in der Pflicht. «Die Kassen haben mit ihren überzogenen Kürzungsforderungen den Unmut der Ärzte erzeugt», sagte Bahr der «Bild»-Zeitung. «Wenn es zu Praxisschließungen kommt, dann liegt die Verantwortung bei Ärzten und Kassen.»

Die Kassenärzte drohen mit Protesten bis hin zu wochenlangen Praxisschließungen, falls die Krankenkassen ihre Honorar-Forderungen endgültig ablehnen. Kassenärzte und Krankenkassen kommen heute in einem Schlichtungsgremium zu einer weiteren Verhandlungsrunde über die Ärztehonorare im kommenden Jahr zusammen. Dabei soll es aber nur noch um Details gehen.

Die Grundsatzentscheidung war bereits am vergangenen Donnerstag getroffen werden. Danach sollen die Honorare der niedergelassenen Ärzte nur um 0,9 Prozent erhöht werden. Die Ärzte hatten 11 Prozent mehr gefordert.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält einen Kompromiss noch für möglich. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen. «Deshalb hoffe ich, dass beide Seiten zu einem entspannten Verhandlungsmodus zurückfinden», sagte Lauterbach der «Saarbrücker Zeitung» (Montag).

Die ursprüngliche Forderung der Kassen nach einer Honorarsenkung hält der SPD-Politiker für genauso überzogen wie die Ankündigung der Praxisärzte, ihre Forderungen notfalls mit einer Gerichtsklage durchsetzen zu wollen. «Die Kassenforderung war auch nicht angemessen, wenn man allein die milliardenschweren Rücklagen der Krankenversicherung in Betracht zieht», sagte Lauterbach. Ein allseits akzeptierter Kompromiss habe so kaum entstehen können. Was die Ärzteklage angehe, so könne er deren Rechtsgrundlage «nicht erkennen».