Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat am Donnerstag nach der offiziellen Bestätigung unbegrenzter Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) seine Gewinne nur wenig eingedämmt.

Am Nachmittag stand der deutsche Leitindex noch 1,30 Prozent höher bei 7055 Punkten, behauptete sich aber über der viel beachteten 7000-Punkte Marke. Der MDax mittelgroßer Werte legte um 0,70 Prozent auf 10 964 Punkte zu und der TecDax gewann 0,18 Prozent auf 797 Punkte.

Nach der Sitzung des EZB-Rats kündigte Notenbankchef Mario Draghi ein Kaufprogramm für Papiere finanzschwacher Euroländer an, das dem Volumen nach unbegrenzt sei. Entsprechendes war am Vortag bereits durchgesickert und hatte Auftrieb gegeben.

Das neue Kaufprogramm hebt sich damit in einem wesentlichen Punkt von den ersten Anleihekäufen der EZB seit dem Frühjahr 2010 ab, das Draghi selbst als im Umfang begrenzt umschrieben hatte. Mit dem aktuellen Programm wird die Notenbank Draghi zufolge kurz laufende Anleihen mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren in ihre Bücher nehmen. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die jeweiligen Länder zunächst an den Euro-Rettungsfonds wenden. Den Leitzins beließ die EZB bei 0,75 Prozent.

Aktienhändler Markus Huber von ETX Capital sagte: «Obwohl es teilweise Erwartungen gab, dass die EZB nicht nur Details zu Anleihekäufen bekannt gibt, sondern auch an der Zinsschraube drehen könnte, haben die Währungshüter verständlicher Weise davon Abstand genommen.» Sie wollten wohl nicht auf einmal alles Pulver verschießen.

Unter den Einzelwerten büßten die Aktien der Deutschen Börse als Dax-Schlusslicht 1,25 Prozent auf 40,390 Euro ein. Nach zuletzt sehr schwachen Handelszahlen für den August kursieren am Markt Gerüchte, dass der Börsenbetreiber sein Ergebnisziel für das Gesamtjahr möglicherweise nicht halten kann. Die Prognose hatte allerdings bereits nach dem jüngsten Quartalsbericht als unsicher gegolten.

Dagegen stiegen die Lufthansa-Aktien ungeachtet weiterer Streikankündigungen um marktkonforme 1,26 Prozent auf 9,772 Euro. Bei den Technologiewerten profitierten die Solarworld-Papiere mit plus 2,40 Prozent von der Einleitung eines EU-Anti-Dumpingverfahrens gegen die chinesische Solarbranche. SMA Solar verteuerten sich sogar um 3,15 Prozent.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,09 Prozent am Vortag auf 1,18 Prozent. Der Rentenindex Rex sank indes um 0,58 Prozent auf 134,19 Punkte. Der Bund Future verlor 0,25 Prozent auf 142,66 Punkte. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2638 (Mittwoch: 1,2578) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7913 (0,7950) Euro.