Berlin (dpa) - Freundlich, professionell und stilsicher sind die Elektropop-Könige. Vor der Live-Vorstellung ihres neuen Albums «Elysium» in einem Berliner Theater standen die Pet Shop Boys Neil Tennant (58) und Chris Lowe (52) der Nachrichtenagentur dpa Rede und Antwort.

Es geht um die neue Platte, Madonna und die britische Monarchie. Auch auf den Wunsch nach einem Handy-Foto mit dem Interviewer reagiert Tennant eigentlich richtig - so wie man es selber täte: Nein, sorry, kein Foto, er wolle nicht als Schnappschuss bei Facebook landen.

Herr Tennant, Herr Lowe, Sie waren mehr als zwei Monate in Los Angeles, um Ihr neues Album aufzunehmen - könnten Sie sich vorstellen, nach Kalifornien zu ziehen?

Tennant: «Los Angeles ist natürlich vor allem im Winter sehr angenehm mit dem besseren Wetter. Wir waren von Januar bis März dort. Aber alles in allem ist mir die Stadt doch zu großflächig und ausgedehnt, um dort zu leben.»

Ihr neues Album heißt «Elysium» - was hat es damit auf sich?

Tennant: «Der Titel spielt auf den Elysian Park in Los Angeles an, den wir während unseres Aufenthalts sehr mochten. Aber da wir auf Ein-Wort-Albumtitel abonniert sind, haben wir dann nur das Wort "Elysium" genommen, das man in vielen Sprachen versteht und das einen tollen Klang hat, mit all den Assoziationen zur griechischen Mythologie.»

Das neue Album hat keine politische Botschaft, oder?

Tennant: «Nein, unser vorletztes Album "Fundamental" hatte etwas Politisches, jetzt geht es wieder um persönliche Dinge - etwa Themen wie Älterwerden. Im Moment ist es schwierig, in Texten Politik einzufangen. Wie will man das machen: Schulden besingen?»

Was halten Sie von diesem kolportierten Angriff von Elton John auf Madonna, sie sei zu alt und hätte schon vor Jahren aufhören sollen?

Tennant (Pause): «Wir lieben Madonna!»

Aber denken Sie ans Aufhören? Oder: Sollten Popstars irgendwann besser aufhören?

Tennant: «Nein, wir denken ganz und gar nicht ans Aufhören. Und jeder Popstar sollte solange weitermachen, wie es angenehm für ihn ist und er gerne macht, was er macht. Das gilt nicht nur für Stars, das gilt für jeden Menschen.»

Es gibt eine sehr angesagte schwule Elektro-Party in Berlin namens Pet Shop Bears, die also auf Ihren Band-Namen anspielt. Sind Sie schon mal dagewesen?

Tennant: «Ja, da waren wir schon ein paar Mal. Ich habe sogar ein T-Shirt zu der Party, das Wolfgang Tillmans gemacht hat. Die Veranstaltung ist eine angenehme Party an einem coolen Ort.»

Sie sind oft in Berlin - haben Sie hier Lieblingsplätze?

Tennant: «Wir mögen die Stadt, gehen hier gerne aus. Manchmal zum Beispiel ins Berghain. Das Beste an Berlin ist aber das viele Grün im Vergleich zu London. Also in London haben wir auch viele Parks, aber keinen wie den Tiergarten. Von oben sieht Berlin oft aus wie ein Wald mit ein paar Häusern drin. Unglaublich. Das alte West-Berlin waren ja früher die königlichen Jagdgründe, soweit ich weiß.»

Lowe: «Ich mag diesen Club am Fluss mit der Katze oben am Dach.»

Sie meinen das Kater Holzig?

Lowe: «Ja. Genau. Stimmt. So heißt das.»

Thronjubiläum der Queen, Olympische Spiele, der Nacktfoto-Skandal um Prinz Harry - ist 2012 das Jahr der Briten?

Tennant: «Ich bin kein Monarchist, aber es war ein fantastisches Jahr für die Königliche Familie. Ich glaube, Prinz Harry gehört jetzt zu den Top-Celebrities in der Welt. Und das Beste fand ich bei der Olympia-Eröffnungsfeier diesen Einspieler, in dem James Bond die Queen abholt. Man sagt ja, das sei eine Idee der Königin gewesen. Aber nochmal: Ich bin kein Monarchist.»

Interview: Gregor Tholl, dpa