Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat am Freitag weiter von der EZB-Entscheidung zu unbegrenzten Anleihekäufen profitiert und ist erstmals seit Anfang August 2011 über 7200 Punkte gestiegen. Zum Handelsschluss stand der deutsche Leitindex 0,66 Prozent höher bei 7214,50 Punkten.

Damit knüpfte er an sein fast dreiprozentiges Plus vom Vortag an - auf Wochensicht stehen damit satte Gewinne von knapp dreieinhalb Prozent zu Buche. Enttäuschende US-Arbeitsmarktdaten bewegten das Börsenbarometer hingegen kaum. Der MDax kletterte um 0,56 Prozent auf 11 177,52 Punkte und der TecDax gewann 0,76 Prozent auf 810,13 Punkte.

«Nach dem Kursfeuerwerk von gestern ist heute keine Spur einer Katerstimmung an den Kapitalmärkten festzustellen», konstatierte Marktexperte Tobias Reichert von IG Markets. «Ganz im Gegenteil: Selbst erschreckend schlechte Daten vom US-Arbeitsmarkt gehen an den Märkten scheinbar spurlos vorüber.» Ähnlich bewertete Marktanalyst Christoph Schmidt vom Asset-Manager N.M.F. AG die Daten. Die fehlende negative Kursreaktion begründete er damit, dass am steigenden Markt keiner «den Zug verpassen» wolle.

Nach Einschätzung der Commerzbank erhöht die schwache Beschäftigungsentwicklung den Druck auf die US-Notenbank, schon in der nächsten Woche konkrete Hinweise auf weitere Maßnahmen zu geben. Positiv auf die Börsen wirkten zudem die weiter deutlich sinkenden Renditen von Staatsanleihen klammer Euro-Länder.

Die Bankenwerte in ganz Europa profitierten wie bereits am Vortag kräftig von den EZB-Beschlüssen: Der Sektor war mit plus 2,03 Prozent einer der Favoriten im Branchenindex Stoxx Europe 600. Im Dax eroberten die Titel der Commerzbank und der Deutschen Bank erneut vordere Plätze. Sie legten um 6,67 beziehungsweise 5,25 Prozent zu. «Der Schritt der EZB hat die Risikoaversion der Anleger gegenüber Finanztiteln klar reduziert, weil damit das Auseinanderbrechen der Eurozone unwahrscheinlicher geworden ist», sagte Finanzanalyst Roland Pfänder von der Commerzbank.

Mit plus 1,51 Prozent legten die Lufthansa-Papiere überdurchschnittlich zu. Die Fluggesellschaft hatte wegen des andauernden Streiks für diesen Tag zahlreiche Flüge gestrichen. Mitten im bislang größten Streik bei der Lufthansa keimt aber Hoffnung auf eine Lösung des Tarifkonflikts mit den Flugbegleitern.

Die Aktien der Deutschen Post büßten hingegen am Dax-Ende 3,63 Prozent auf 15,400 Euro ein. Sie litten unter einer Platzierung von Aktien durch die staatliche KfW-Bankengruppe. Insgesamt wurden 60 Millionen Aktien zu je 15,40 Euro bei institutionellen Investoren platziert. Dass der Stahl- und Industriegüterkonzern ThyssenKrupp einem Bericht zufolge auf Kurs zu seinen Jahreszielen liegt, verhalf der Aktie in einem positiven Branchenumfeld zu Kursgewinnen von 3,54 Prozent.

Der EuroStoxx 50 beendete den letzten Handelstag der Woche 0,54 Prozent höher bei 2538,60 Punkten. Die nationalen Indizes in Paris und London schafften es ebenfalls ins Plus. In New York zeigte sich der Dow Jones Industrial zum europäischen Börsenschluss prozentual unverändert.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,18 Prozent am Vortag auf 1,26 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,38 Prozent auf 133,68 Punkte. Der Bund Future stieg um 0,26 Prozent auf 140,65 Punkte. Der Euro notierte zuletzt bei 1,2794 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,2706 (Donnerstag: 1,2638) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,7870 (0,7913) Euro gekostet.