Hannover (dpa) - Mit seinem zweiten Doppelpack im Adlertrikot hat Mesut Özil der deutschen Nationalmannschaft den erwarteten Sieg zum Start in die WM-Qualifikation beschert. Der Fußball-Zauberer von Real Madrid traf beim zäh erkämpften 3:0 (1:0) gegen Außenseiter Färöer zweimal (54./71. Minute).

Den 500. deutschen Länderspielsieg gegen einen äußerst defensiv eingestellten Gegner hatte vor 32 769 Zuschauern in Hannover der Dortmunder Mario Götze (28.) eingeleitet.

«Ich denke, es war zu sehen, dass wir auf Tore aus waren. Zu bemängeln war, dass wir viele Chancen hatten, aber zu wenig Tore erzielt haben. Da liegt im Moment unser Problem, dass wir zu viele Chancen liegenlassen», analysierte Bundestrainer Joachim Löw einseitige 90 Minuten. Der Erfolg hätte deutlich höher ausfallen müssen, doch ein gutes Dutzend Torchancen ließ das Löw-Team ungenutzt, das am Dienstag in Wien gegen Österreich den zweiten Sieg in der WM-Ausscheidung nachlegen will.

«Mit den vielen vergebenen Torchancen in der ersten Halbzeit haben wir das Spiel interessant gemacht. Aber wir haben alles gegeben und verdient gewonnen. Wir haben den ersten Schritt gemacht», sagte Doppel-Torschütze Özil, der erst im zweiten Durchgang der Denker und Lenker des deutschen Spiels war. Von einem «Pflichtsieg» sprach Kapitän Philipp Lahm: «Wir hatten die Chancen, nur wir haben die Tore nicht gemacht. Zur Halbzeit hätte es 4:0 stehen können.»

Die Zuschauer sahen im ersten deutschen Pflichtspiel nach dem Halbfinal-K.o. bei der EURO von der ersten Minute an den erwarteten Einbahnstraßen-Fußball, doch das erhoffte Torfestival gegen die Amateure blieb aus. Dem DFB-Team fehlten trotz Chancen in Hülle und Fülle die Zielstrebigkeit und Entschlossenheit im Abschluss, um den meist mit neun Mann verteidigenden Gegner in die Knie zu zwingen.

Pluspunkte im extrem offensiv ausgerichteten Mittelfeld sammelten zunächst vor allem Marco Reus und Mario Götze. Erst im zweiten Durchgang schwang sich der Wahl-Spanier Özil zum Regisseur auf und krönte sein 40. Länderspiel mit den Toren Nummer zehn und elf im DFB-Trikot. Miroslav Klose, der schon vor zehn Jahren als Torschütze gegen die Färöer geglänzt hatte, war dagegen glücklos im Abschluss und hoffte vergebens auf seinen 65. Treffer in der Nationalelf. Eine Viertelstunde vor Schluss machte Klose Platz für Lukas Podolski.

Kaum geprüft wurde die Hintermannschaft, die Löw kurzfristig umbauen musste, weil sich Marcel Schmelzer im Abschlusstraining eine Fußprellung zugezogen hatte. Holger Badstuber übernahm die Position auf der linken Abwehrseite. Dadurch kam Per Mertesacker an der Seite von Mats Hummels zu seinem Comeback als Innenverteidiger. Der Arsenal-Profi hatte letztmals beim 2:0 im EM-Test gegen Israel Ende Mai in der Startelf gestanden. Auffällig war, dass Lahm einige Mühe beim Wechsel von der linken auf seine angestammte rechte Abwehrseite hatte. Der Kapitän sah für ein Foul sogar gelb.

Gegen den 154. der Weltrangliste war die deutsche Mannschaft auf ein frühes Tor aus. An Torhüter Gunnar Nielsen gab es jedoch zunächst kein Vorbeikommen. Der Färöer-Schlussmann, bei seinem Club Manchester City nur die Nummer drei zwischen den Pfosten und praktisch ohne Matchpraxis, parierte nacheinander Schüsse von Marco Reus (8.) und Sami Khedira (11.) in großer Manier. Wenig später köpfte Klose eine Flanke von Rechtsverteidiger Philipp Lahm über den Kasten (19.), ehe Nielsen bei Reus' Direktabnahme (22.) erneut einen Rückstand für seine Mannschaft verhinderte.

Als Löw angesichts der vielen vergebenen Großchancen die Geduld zu verlieren schien und erstmals am Spielfeldrand auftauchte, erlöste Götze die DFB-Auswahl mit dem längst überfälligen 1:0. Ein spektakuläres Solo an der halben Färöer-Abwehr vorbei schloss der Dortmunder zu seinem dritten Länderspieltor ab. Die größte Gelegenheit, den Vorsprung noch vor der Pause auszubauen, vergab Klose (37.), der die Hereingabe des emsigen Reus übers Tor jagte.

Neun Minuten dauerte es bis zur ersten gelungenen Kombination der DFB-Elf im zweiten Spielabschnitt. Sie führte dann aber gleich zum 2:0, als Özil völlig freistehend die Flanke von Müller über die Linie drückte. Aber auch nach dem zweiten Gegentreffer gaben die Gäste ihre destruktive Taktik nicht auf und igelten sich weiter in der eigenen Hälfte ein. Insofern tat sich die deutsche Mannschaft weiter schwer, die Lücke im Abwehrbollwerk zu finden. Die fand Özil 19 Minuten vor dem Ende, als er den Ball an Nielsen vorbei zum 3:0 ins Netz schob.