Frankfurt/Main (dpa) - Sie reden wieder miteinander. In den Tarifkonflikt der Flugbegleiter bei der Lufthansa ist hinter den Kulissen Bewegung gekommen - bereits seit Mittwochabend. Zunächst wurden SMS geschickt, dann gesprochen:

Beide Seiten suchen nun wieder gemeinsam einen Weg aus dem bislang schärfsten Streik bei der Airline. Der Weg zur Lösung könnte ein Schlichter sein. Bei Lufthansa wurden bereits häufiger Konflikte mit Hilfe von Externen beigelegt.

Für den Posten kursierten am Freitag bereits erste Namen: Der des früheren SPD-Chefs Franz Müntefering, des Hamburger Ex-Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) und des früheren Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier. Doch vor der Kür eines Ex-Politikers müssen sich die Tarifpartner erst einmal darauf einigen, über was überhaupt geredet werden soll.

Ein Schlichter könne nicht bis in die letzten Winkel des Manteltarifvertrags gelangen, sagt der Verhandlungsführer der Lufthansa, Passage-Personalvorstand Peter Gerber. Er hatte am Mittwoch eine Schlichtung angeregt, die sich ausschließlich mit Gehältern, Gewinnbeteiligungen und dem langfristig kostspieligen Tarifstufensystem beschäftigt.

Offiziell streikt auch Ufo nur zu diesen allein schon komplexen Themen, doch im Hintergrund stehen die Fragen nach dem bereits erprobten Einsatz von Leiharbeitern und dem Tarifsystem bei der für das kommende Jahr erwarteten internen Billigtochter mit dem Arbeitstitel «Direct4U».

Etwa 1200 Mitarbeiter der Lufthansa könnten zu dem neuen Unternehmen abgeordnet werden, sie sollen aber ihre alten Verträge behalten, verspricht das Unternehmen. Mittelfristig soll laut Gerber bei der Direkttochter aber der viel niedrigere Tarif der Lufthansa-Tochter Germanwings gelten. Ein wenig peinlich für Ufo: Auch diesen angeblich rund 40 Prozent schlechteren Vertrag hat die Kabinengewerkschaft ausgehandelt, aber von einem niedrigen Niveau keine wesentlichen Erhöhungen rausholen können. Zuletzt gab es zum Juli 2011 eine Tabellenerhöhung um 3,5 Prozent und eine Gehaltsstufe mehr.

Nach dem Streik kann die Gewerkschaft nicht mit leeren Händen vor ihre Mitglieder treten. Sie steht bei der Lufthansa im Wettbewerb zu anderen Gewerkschaften, erinnert der Tarifexperte Reinhard Bispinck vom gewerkschaftsnahen Boeckler-Institut im Deutschlandradio. Ufo habe noch bis Januar gemeinsam mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verhandelt. «Aber dann hat Ufo gesagt, wir wollen mehr erreichen.» Ufo habe sich dem Abschluss nicht angeschlossen, sondern versuche jetzt für ihre Mitglieder mehr durchzusetzen. Langfristig bringe eine Zusammenarbeit der Gewerkschaften mehr.

Mindestens müsse sich die Lufthansa eine Arbeitskampfordnung geben, meint Hagen Lesch, Tarifexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Die schnelle Eskalation und die harschen öffentlichen Angriffe gegeneinander zerstörten Vertrauen und Betriebsklima. Offenbar verfügten die Kontrahenten bei der Lufthansa nicht über ein auch im Krisenfall funktionierendes Verständigungssystem hinter den Kulissen, wie es beispielsweise in der Metall- und Elektroindustrie seit langem vorhanden sei.

Seine eigentliche Aufgabe, nämlich einen Streik überflüssig zu machen, könne ein Schlichter bereits nicht mehr erfüllen, sagt Lesch. Den Verhandlungspartnern müssten die Grenzlinien des jeweils anderen inzwischen selbst klar sein, so dass eigentlich kein Schlichter mehr notwendig wäre. Doch der immense Schaden, den Ufo mit jedem Streiktag der Lufthansa zufügen könne, sei letztlich auch Bürde für die Gewerkschaft. «Die sägen an dem Ast, auf dem sie selbst sitzen.» Ein Schlichter könne in dieser Situation auch in Richtung der Aktionäre und der Gewerkschaftsmitglieder eine saubere Interessenabwägung dokumentieren.

Mit meist aus der Politik stammenden Schlichtern hat die vielbestreikte Lufthansa schon reichlich Erfahrung. Zuletzt hatte die frühere SPD-Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, Heide Simonis, im Januar 2011 für die Kabine nur einen kurzen Burgfrieden zimmern können, bei dem die wichtige Tarifstruktur ausgespart wurde. Ihre Vorgänger waren 2001 beim Pilotenstreik der Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) sowie der frühere SPD-Bürgermeister von Hamburg, Klaus von Dohnanyi, der schon bei den Piloten (2010) wie auch bei den Flugbegleitern (2003) aktiv war.