Frankfurt/Main (dpa) - Mitten im bislang größten Streik bei der Lufthansa wächst die Hoffnung auf eine Lösung des Tarifkonflikts mit den Flugbegleitern. Europas größte Fluggesellschaft musste am Freitag weit mehr als die Hälfte ihrer Flüge streichen, rund 100 000 Passagiere sind von dem bislang beispiellosen Ausstand der Flugbegleiter betroffen.

Doch es kommt Bewegung in den Tarifkonflikt: Die Kabinengewerkschaft Ufo und die Lufthansa haben wieder Kontakt aufgenommen. Nun wurde eine mögliche Schlichtung ins Gespräch gebracht.

Ufo-Chef Nicoley Baublies zeigte sich bereit zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch. «Wir sind hier nicht angetreten, um irgendwelche Privilegien durchzuprügeln. Wir sind bereit, Kompromisse zu machen. Es dürfen nur keine faulen Kompromisse sein», sagte er im ZDF. Für die kommenden Tage schloss der Gewerkschafter weitere Streiks nach den drei bisherigen Wellen aus. Die mögliche Schlichtung verglich er mit einer Paar-Therapie: «Da braucht man manchmal einen Therapeuten, der sagt: Jetzt mal runterkommen.»

Die Lufthansa bestätigte eine anvisierte Schlichtung zunächst nicht. Es gebe «zarte Kontakte» mit der Gewerkschaft Ufo, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther. Über den Inhalt der Gespräche habe man Stillschweigen vereinbart. Die in Medien genannten Schlichter-Kandidaten kommentierte Walther nicht. Ins Spiel gebracht wurden der frühere SPD-Chefs Franz Müntefering, der Hamburger Ex-Bürgermeister Henning Voscherau und der frühere Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier.

Den Kontakt zwischen den Tarifparteien hat Baublies eigenen Angaben zufolge wieder hergestellt. Die Lufthansa habe quasi kapituliert, indem sie für Freitag fast alles gestrichen habe. Daher habe er den ersten Schritt gemacht.

Lufthansa-Chef Christoph Franz hatte den Streik als «völlig unverhältnismäßig» bezeichnet. Die Entwicklung sei «quasi aus heiterem Himmel» nach eineinhalb Jahren Gesprächen gekommen, hatte er am Donnerstagabend im ZDF gesagt.

Die Lufthansa hat rund 1000 der sonst üblichen 1800 Verbindungen für diesen Freitag gestrichen. «Es ist ein bitterer Tag, wenn über 1000 Flüge gestrichen werden müssen», sagte ein Sprecher. Im Laufe des Tages könne es immer noch zu kurzfristigen Streichungen kommen. Selbst die Pilotenstreiks aus den Jahren 2001 und 2010 hatten nicht eine derart durchschlagende Wirkung.

Das Restprogramm der Lufthansa besteht wesentlich aus Flügen nicht bestreikter Tochtergesellschaften wie Germanwings. Nur wenige Überseeziele sollen am Freitag von Frankfurt und München angeflogen werden. Der Streikaufruf ging an rund 18 000 Beschäftigte an sämtlichen Lufthansa-Standorte Frankfurt, München, Düsseldorf, Berlin, Hamburg und Stuttgart.

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt blieb es am Vormittag zunächst ruhig, wie ein Lufthansa-Sprecher sagte. Mit 55 000 SMS und E-Mails habe die Fluggesellschaft ihre Gäste schon früh über Flugausfälle informiert.

In Berlin sicherten die von Ufo bekämpften Leiharbeiter die Europaflüge, wie Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber berichtete. Gleichwohl fielen in der Hauptstadt zwei Drittel aller Lufthansa-Verbindungen aus. Viele Passagiere konnten aber auf Tochtergesellschaften wie Germanwings oder Swiss umgebucht werden.

Auch in Hamburg wurden etwa zwei Drittel der Flüge abgesagt, während auf kleineren Airports wenig vom Streik zu spüren war. Dort sind vor allem die Regionaltöchter der Lufthansa unterwegs, die nicht bestreikt werden.

Ufo fordert in dem seit 13 Monaten währenden Tarifkonflikt fünf Prozent mehr Lohn, das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs. Lufthansa bietet bei einer längeren Laufzeit 3,5 Prozent Lohnerhöhung, plant aber eine große konzerninterne Billigtochter mit niedrigeren Gehaltstarifen. Für die verbleibenden Lufthanseaten will das Unternehmen die Gehaltsstufen abflachen und für Neueinsteiger niedrigere Bedingungen durchsetzen.

Wegen des Streiks bei der Lufthansa hatten sich die Konkurrenten der Airline sowie die Bahn zum Ferienende in Süddeutschland auf einen großen Ansturm eingerichtet. Die Deutsche Bahn stellte sich auf mehrere tausend zusätzliche Fahrgäste ein. Normalerweise befördert Lufthansa an einem Freitag rund 170 000 Menschen.

Streikaufruf Ufo

Flugplan Air Berlin

Fluginfo der Lufthansa

Passagierbrief Ufo

Gestrichene Flüge

Fahrplan Deutsche Bahn