London (dpa) - Ausgerechnet am Tag des 100-Meter-Finales hat der deutsche Sprinter Wojtek Czyz mit einem schweren Vorwurf gegen seinen Teamkollegen Heinrich Popow für Aufruhr gesorgt. Der Kaiserslauterer warf seinem Gegner bei den Paralympics in London «technisches Doping» vor.

Der oberschenkelamputierte Popow habe von Ausrüster Ottobock ein künstliches Kniegelenk erhalten, das anderen Athleten bis kurz vor Beginn der Spiele vorenthalten worden sei, sagte Czyz. Ein Sprecher des Prothesen-Bauers wies die Vorwürfe als haltlos zurück.

Czyz sagte, er und andere Sportler hätten vor Monaten eine Anfrage gestellt, um das Knie-Modell zu kaufen. «Da wurde mir gesagt, dieses Knie ist reserviert für Heinrich Popow», sagte Czyz. «Das ist für mich die Paradedisziplin technisches Doping.» Czyz war am Freitagvormittag hinter Popow und Scott Reardon aus Australien 100-Meter-Vorlaufdritter geworden war. Das Finale steigt am Abend.

Gold-Favorit Popow reagierte mit Unverständnis auf die Kritik seines Konkurrenten. «Das ist totaler Humbug. Ein typisches Psychospielchen von Wojtek, aber das ist mir egal. Mich interessiert nur der Sport, nicht so ein unfairer Quatsch», sagte er der «Bild»-Zeitung.

Ottobock-Sprecher Rüdiger Herzog erklärte auf dpa-Anfrage: «Wir halten uns an das Regelwerk.» Popow, der bei dem niedersächsischen Unternehmen unter Vertrag steht, laufe mit einem «Serien-Kniegelenk», das schon seit Monaten auch für andere Athleten erhältlich sei. Die Anschuldigungen von Czyz bezeichnete Herzog als «Psychoterror».

Der deutsche Chef de Mission Karl Quade sagte zu dem Streit: «Das ist schade. Aber ich kann das nicht verhindern. Die Athleten sind erwachsen und kriegen auch keinen Maulkorb.» Quade will die beiden Sportler und ihre Trainer zu einem Gespräch einladen.