Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem «Ja» der deutschen Verfassungshüter zum Euro-Rettungsschirm hat der Dax seinen Höhenflug am Mittwoch fortgesetzt. Der Leitindex erreichte bei 7410 Punkten den höchsten Stand seit Juli 2011 und ging letztendlich 0,46 Prozent höher bei 7343,53 Punkten aus dem Handel.

Im normalerweise eher gefürchteten Börsenmonat September hat das Kursbarometer damit schon mehr als fünf Prozent zugelegt. Für den TecDax ging es am Mittwoch um 0,54 Prozent auf 811,24 Punkte hoch, der MDax dagegen schloss hauchdünn mit 0,01 Prozent im Minus bei 11 183,27 Punkten.

Das Bundesverfassungsgericht habe zwar unter Auflagen geurteilt, die Erwartungen aber erfüllt, sagte Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. Für Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg steht die Architektur der Euro-Rettung: «Die unmittelbaren Gefahren für den Zusammenhalt der Eurozone dürften damit bis auf weiteres beseitigt sein», so der Experte. Derweil blicken Anleger bereits auf den nächsten wichtigen Termin: «Sollte sich die US-Notenbank Fed nun auch noch zu weiteren Maßnahmen durchringen können, und diese bereits am Donnerstag verkünden, dürfte die gute Stimmung an den Märkten noch einige Zeit anhalten», sagte Marktstratege Lars Kremkow von Activtrades.

Die Entspannung in der Eurozone ließ sich an tendenziell sinkenden Renditen der Staatsanleihen klammer Euroländer wie Spanien und Italien ablesen, aber auch an den Commerzbank-Papieren, die an der Dax-Spitze um 7,22 Prozent auf 1,575 Euro anzogen. Titel der Deutschen Bank schlossen sich dem jedoch nicht an und verloren gut ein halbes Prozent, nachdem sie am Vortag kräftig von den Aussagen zur Konzernstrategie profitiert hatten.

Außerdem gehörten zyklische Werte zu den größten Gewinnern: Händlern zufolge setzten Anleger nun auf solche Werte, die dem Markt zuletzt hinterher gelaufen waren. Titel des Chipherstellers Infineon rückten daraufhin um 2,36 Prozent vor. Papiere der Autobauer VW und BMW verbuchten Aufschläge von bis zu 2,37 Prozent. Daimler tanzten hier jedoch mit minus 0,43 Prozent aus der Reihe: Begründet wurde dies mit belastenden Aussagen eines US-Konkurrenten zur Auftragslage bei Nutzfahrzeugen in Nordamerika.

Im MDax ging es für HHLA mit einem Anstieg um mehr als sieben Prozent steil bergauf. Begründet wurde dies mit beruhigenden Aussagen in einer Unternehmenspräsentation, aber auch dem in der Gunst der Anleger weit oben stehenden Transportsektor, in dem die Fraport-Aktien nach vorgelegten Verkehrszahlen um 5,35 Prozent auf 47,285 Euro anzogen. EADS sackten am Indexende dagegen um fast fünf Prozent ab, nachdem berichtet wurde, der Luftfahrt- und Rüstungskonzern spreche mit dem britischen Konkurrenten BAE Systems über eine Fusion.

Der EuroStoxx 50 schloss 0,28 Prozent höher bei 2564,80 Punkten. In Paris ging der Cac 40 ebenfalls leicht im Plus über die Ziellinie, der «Footsie» dagegen schloss in London knapp im Minus. In New York lag der Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa moderat im Plus.

Am Rentenmarkt stieg die Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,30 (Vortag: 1,22) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,52 Prozent auf 133,28 Punkte. Der Bund Future verlor 0,51 Prozent auf 139,67 Punkte. Der Euro stieg zeitweise über 1,29 US-Dollar. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung mit 1,2894 Dollar wieder knapp darunter gehandelt, behauptete sich aber weiter im Plus.