Berlin/Frankfurt (dpa) - Das Rennen um einen Platz auf der Liste der letzten Sechs ist entschieden. Auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis stehen Nachkriegsgeschichten und Selbsterkundungen. Promis fielen durch.

Der krebskranke Schriftsteller Wolfgang Herrndorf ist mit seinem Wüstenroman «Sand» für die Endrunde des Deutschen Buchpreises nominiert. Der 47-jährige hatte dieses Jahr schon den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten.

Auf der sogenannten Shortlist, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, stehen zudem die Schriftsteller Ernst Augustin, Ursula Krechel, Clemens J. Setz, Stephan Thome und Ulf Erdmann Ziegler. Prominente Autoren wie Rainald Goetz, Sten Nadolny und Bodo Kirchhoff gingen leer aus.

Der Preis wird am 8. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verliehen. Er ist mit 25 000 Euro dotiert. Eine siebenköpfige Jury wählte die Favoriten aus den 20 Nominierten der Longlist aus. «Manches ging recht schnell, um anderes hatte die Jury lang, hart und leidenschaftlich zu ringen», sagte Jurysprecher Andreas Isenschmid.

Entstanden sei eine Shortlist, auf der drei Titel auf je andere Weise die deutsche Nachkriegsgesellschaft erkundeten. In drei anderen gehe es um existentielle Selbstprüfungen. Drei der sechs Bücher kommen aus dem Suhrkamp Verlag.

Herrndorf, bekannt durch den Bestseller «Tschick», hatte für seinen neuen Roman «Sand» (Rowohlt) beste Kritiken bekommen. Den Preis der Leipziger Buchmesse für den Thriller konnte der Berliner Autor im März nicht mehr persönlich entgegennehmen. Er ist seit mehr als zwei Jahren an einem unheilbaren Hirntumor erkrankt. Lange war unklar, ob er das neue Buch überhaupt fertigschreiben könnte.

Einzige Frau auf der Longlist ist Ursula Krechel mit ihrem zwischen Dokumentation und Fiktion angesiedelten Roman «Landgericht» (Jung und Jung). Die 64-Jährige, die bereits 13 Lyrikbände veröffentlicht hat, erzählt darin die Geschichte eines entwurzelten Deutschland-Heimkehrers nach dem Krieg. Späte Ehre bedeutet die Nominierung für Ernst Augustin, der noch mit 84 Jahren und bereits erblindet die phantastische Fabel «Robinsons blaues Haus» (C.H. Beck) vorlegte.

Der mit Abstand jüngste Kandidat ist mit 29 Jahren der österreichische Autor Clemens J. Setz, dessen oft wunderbar surrealer Roman «Indigo» im Suhrkamp Verlag erschien. Setz stand 2009 schon einmal auf der Liste der letzten Sechs. Ebenfalls von Suhrkamp kommen Stephan Thome (40) mit dem Roman «Fliehkräfte» und Ulf Erdmann Ziegler (Jg. 1959) mit «Nichts Weißes».

Der Buchpreis wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Im vergangenen Jahr war Eugen Ruge für seine DDR-Familiensaga «In Zeiten des abnehmenden Lichts» Sieger. Sein Werk stand monatelang auf den Bestsellerlisten.

Deutscher Buchpreis