Amsterdam (dpa) - Fünf Monate nach dem Scheitern der Mitte-Rechts-Regierung in Den Haag haben die Niederländer ein neues Parlament gewählt. Rund 12,7 Millionen Stimmberechtigte waren am Mittwoch aufgerufen, die 150 Abgeordneten der Zweiten Kammer zu wählen.

Wer neuer Regierungschef wird, war vor Schließung der Wahllokale völlig offen. Beste Aussichten hatten der rechtsliberale Ministerpräsident Mark Rutte und sein sozialdemokratischer Herausforderer Diederik Samsom. In den letzten Umfragen lagen beide gleichauf, mit jeweils etwa 35 der 150 Mandate.

Die Parlamentswahlen waren bereits die fünften binnen zehn Jahren. Die bisherige Minderheitsregierung von Rechtsliberalen und Christdemokraten war im April gescheitert, nachdem der Rechtspopulist Geert Wilders im Streit um den Sparkurs seine Unterstützung aufgekündigt hatte. Die Wahlbeteiligung lag bis 18.00 Uhr bei 48 Prozent und damit unter der der vorigen Wahlen. 2010 hatten insgesamt gut 75 Prozent ihre Stimme abgegeben. Die ersten Prognosen wurden nach Schließung der Wahllokale um 21.00 Uhr erwartet.

Das geplante Sparprogramm zur Sanierung des Haushaltes war auch Hauptthema im Wahlkampf. Die Niederlande müssen rund 20 Milliarden Euro sparen, um das Haushaltsdefizit auf unter drei Prozent zu senken. Die Sorge um die künftige soziale Sicherheit beschäftigte die meisten Bürger, ergab eine Wähleranalyse im Auftrag der Tageszeitung nrc.next.

Der Rechtspopulist Geert Wilders wollte das Sparpaket nicht mittragen und hatte der Koalition seine Unterstützung aufgekündigt. Im Wahlkampf forderte er den Austritt der Niederlande aus der EU und dem Euro. Allerdings war nach Umfragen zu bezweifeln, ob Wilders seinen Erfolg von vor zwei Jahren wiederholen kann. 2010 war seine Partei für die Freiheit drittgrößte Fraktion geworden und hatte die Minderheitsregierung toleriert.

Nach den Umfragen schien eine sozialliberale Koalition zwischen den Rechtsliberalen von Premier Rutte (45) und der sozialdemokratischen Partei der Arbeit unter ihrem Fraktionsvorsitzenden Samsom (41) unausweichlich. Beide hatten vor der Wahl eine Zusammenarbeit bezweifelt, allerdings nicht ausgeschlossen. Wahlforscher wiesen allerdings auf einen hohen Unsicherheitsfaktor der Umfragen hin, da gut ein Drittel der Wähler kurz vor der Wahl noch unentschlossen war.

Als drittstärkste Kraft wurde diesmal die Sozialistische Partei gesehen. Dem bisherigen christdemokratischen Koalitionspartner CDA wurden dagegen große Verluste vorhergesagt. Da es in den Niederlanden keine Prozenthürde für den Einzug ins Parlament gibt, hatten auch kleine Parteien eine Chance. Um die 150 Mandate stritten insgesamt 21 Parteien. Zuletzt waren zehn Parteien und ein unabhängiger Abgeordneter in der Zweiten Kammer vertreten gewesen.

Die ersten Wahllokale hatten um 6.00 Uhr vor allem in Bahnhöfen eröffnet. Außer in Schulen und Rathäusern konnten die Niederländer auch in einigen Supermärkten, Kaufhäusern und einem Strandclub ihre Stimme abgeben.