Kairo/Washington (dpa) - Nach dem tödlichen Angriff auf den US-Botschafter in Libyen haben ägyptische Demonstranten erneut versucht, die US-Botschaft in Kairo anzugreifen. Am Morgen kam es in der ägyptischen Hauptstadt zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, als Demonstranten versuchten, zu dem Botschaftsgebäude im Stadtteil Garden City vorzudringen. Die Demonstranten warfen Steine.

In den USA wurden Spekulationen über eine Verwicklung des Terrornetzwerkes Al-Kaida in den Anschlag im libyschen Bengasi laut. Es könne sich um einen gezielten Anschlag der Gruppe am 11. September gehandelt haben - dem elften Jahrestag ihrer Terrorangriffe auf die USA, sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Abgeordnetenhaus, Mike Rogers, in einem Fernsehinterview. Bei der Attacke auf das Konsulat in Bengasi waren in der Nacht auf Mittwoch der Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner ums Leben gekommenen

Der Protest in der arabischen Welt war durch einen in den USA produzierten Videofilm ausgelöst worden, in dem der Prophet des Islam als Trottel dargestellt wird. Auch vor der US-Botschaft in Tunis protestierten mehrere Dutzend Islamisten und aufgebrachte Muslime gegen den Film.

Die ägyptische Muslimbruderschaft, aus der Präsident Mohammed Mursi stammt, hat für diesen Freitag zu Protesten gegen den Film aufgerufen. Mursi, der am Mittwoch nach Brüssel geflogen war, hat zu den Krawallen bislang selbst nicht Stellung bezogen.