Washington/Kairo (dpa) - Vor der US-Botschaft in Kairo haben erneut Hunderte aufgebrachte Muslime demonstriert. Wie der TV-Sender CNN weiter in der Nacht berichtete, gab es Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten.

Die Protestierenden hätten Steine und Brandsätze geworfen, als die Polizei versucht habe, die Menge mit Tränengas auseinanderzutreiben. Die Polizei habe auch Warnschüsse abgegeben, um die Demonstranten vom Botschaftsgebäude fernzuhalten, berichtete der Sender unter Berufung auf Augenzeugen. Ein Sprecher des ägyptischen Innenministeriums sagte laut CNN, sechs Polizisten seien leicht verletzt worden. Auch einige Demonstranten seien medizinisch behandelt worden. Den Sicherheitskräften sei es gelungen, die Protestierenden von der Botschaft weg Richtung Tahrir-Platz zu drängen. Zwei Polizeifahrzeuge und ein Auto seien in Brand gesteckt worden.

Die Online-Ausgabe der ägyptischen Zeitung «Al Ahram» schrieb von etwa 200 Demonstranten. Die Auseinandersetzungen hätten am späten Mittwochabend begonnen und bis zum frühen Donnerstag gedauert.

Am Dienstag hatten Demonstranten in Kairo versucht, in die US-Botschaft einzudringen. Als Auslöser gilt ein in den USA produzierter Filmtrailer, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. Bei einem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi wurden der US-Botschafter und drei weitere Amerikaner getötet. Auch in Tunesien protestierten Menschen vor dem US-amerikanischen Botschaftsgebäude.

Nach dem tödlichen Angriff auf Amerikas Botschafter in Libyen sind in den USA Spekulationen über eine Verwicklung des Terrornetzwerkes Al-Kaida laut geworden. Es könne sich um einen gezielten Anschlag der Gruppe am 11. September gehandelt haben - dem elften Jahrestag ihrer Terrorangriffe auf die USA, sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Abgeordnetenhaus, Mike Rogers, am Mittwoch in einem Fernsehinterview.

«Dies war ein sehr gut durchdachtes, koordiniertes Ereignis. Ich glaube, es war geplant, dass es an diesem Datum passiert», meinte der Republikaner. Ähnlich äußerte sich der Islam-Experte Fouad Ajami von der Stanford University im Sender CNN: Es gebe immer noch viele aktive Al-Kaida-Kämpfer in Libyen. Die Angreifer setzten Brandbomben und Panzerfäuste ein. Sie hätten das Hauptgebäude und später auch die Nebengebäude mehr als vier Stunden lang beschossen, sagte eine Beamtin des US-Außenamtes in Washington.

CNN-Bericht

Bericht Al-Ahram