Kairo/Washington (dpa) - Bei einer Serie wütender Proteste gegen diplomatische Vertretungen der USA in der islamischen Welt sind am Donnerstag drei Menschen getötet und Hunderte verletzt worden.

Aus Empörung über ein Schmäh-Video über den Propheten Mohammed griffen Demonstranten im Jemen und in Ägypten diplomatische US-Vertretungen an. In Sanaa wurden mindestens drei Demonstranten getötet, in Kairo mehr als 200 Menschen verletzt. Zuvor waren in dieser Woche vier Amerikaner in Libyen getötet worden, unter ihnen auch der US-Botschafter. Auch mit Blick auf die Freitagsgebete versuchte Ägyptens Präsident Mohammed Mursi die Wogen zu glätten.

Im Jemen stürmten mehrere hundert Demonstranten die US-Botschaft in Sanaa. Sie setzten Autos in Brand, ehe sie von Sicherheitskräften zurückgedrängt wurden. Dabei wurden drei Angreifer getötet, wie die Behörden meldeten. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt. Lokale Medien berichteten, Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi habe sein Bedauern über die Gewalt ausgedrückt. Die Demonstranten hätten sich verantwortungslos verhalten, sagte er.

In Kairo lieferten sich Demonstranten vor der US-Botschaft blutige Straßenschlachten mit der Polizei. Dabei wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörden weit mehr als 200 Menschen verletzt. Die meisten Verletzten wurden noch auf der Straße medizinisch versorgt.

Vereinzelte Proteste wurden aus Afghanistan und Pakistan gemeldet. Aus Angst vor gewalttätigen Demonstrationen gegen den umstrittenen Film begannen die afghanischen und die pakistanischen Behörden am Donnerstag mit der Sperrung der Zugänge zur Interplattform Youtube. In Tunesien und im Iran gingen erboste Muslime auf die Straßen. Proteste im Gazastreifen blieben friedlich. In Saudi-Arabien, wo Demonstrationen verboten sind, wurde über den Kurznachrichtendienst Twitter für Freitag zu Protesten vor den US-Vertretungen in Riad und Dschidda aufgerufen.

US-Sicherheitskreise vermuten das Terrornetzwerk Al-Kaida hinter den Gewaltexzessen in Libyen. Beobachter befürchten, dass die Ausschreitungen mit dem Freitagsgebet auf weitere Länder in der islamischen Welt übergreifen. Die USA schickten am Donnerstag nach Medienberichten neben einer Einheit von Elitesoldaten auch zwei Kriegsschiffe vor die Küste Libyens. An den US-Botschaften weltweit wurden die Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärft.

Bei der Attacke auf das Konsulat in der libyschen Küstenstadt Bengasi waren in der Nacht zum Mittwoch US-Botschafter Chris Stevens und drei andere Amerikaner ums Leben gekommen. Der neue libysche Regierungschef Mustafa Abu Schagur verurteilte den «feigen Angriff» auf das Konsulat in einem Interview des Nachrichtensenders Al-Arabija.

Auch Ägyptens Präsident Mursi verurteilte die Gewalt gegen US-Vertretungen. Allerdings forderte er die USA zu «ernsthaften Schritten» gegen den islamfeindlichen Videofilm auf. «Wir sind gegen jede Handlung, mit der der Islam und der Prophet Mohammed beleidigt werden soll und wir sind gegen die Beleidigung jeder Religion», sagte Mursi nach einem Gespräch mit dem EU-Ratsvorsitzenden Herman Van Rompuy in Brüssel. «Zugleich sagen wir aber deutlich, dass dies nicht als Rechtfertigung für Angriffe auf Konsulate oder Botschaften dienen kann und dass dies keine Rechtfertigung für die Tötung unschuldiger Menschen ist. Wir sind dagegen und verurteilen das.»

US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte den Videofilm als «abscheulich und verwerflich». Zugleich stellte sie klar, dass die US-Regierung «absolut nichts mit diesem Video zu tun hat». Jedoch sei auch die Gewalt, die der Film in Ägypten, Libyen und im Jemen auslöste, nicht hinzunehmen, fügte Clinton hinzu. Da in den USA das Recht auf freie Meinungsäußerung herrsche, sei es für die Regierung in Washington «unmöglich», solche Filme zu verhindern.

Auch Außenminister Guido Westerwelle verurteilte die Proteste. «Kein noch so schlimmes Pamphlet im Internet rechtfertigt Gewalt, Mord und Totschlag», sagte er am Donnerstag in Berlin. Das Video bezeichnete er als «verabscheuungswürdig».

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland kritisierte den tödlichen Angriff auf Amerikas Botschafter in Libyen durch militante Islamisten. «Wer hinter diesem Anschlag steckt, will die Freiheit des Landes zerstören», sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag.

Auslöser der Proteste in der islamischen Welt war ein in den USA produzierter Videofilm, in dem der Prophet des Islam als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt wird. Als Autor, Regisseur und Produzent des Films zeichnet ein «Sam Bacile». Recherchen von US-Medien ergaben bisher keine konkreten Spuren. Israel hat sich von Autor und Film distanziert. Es hatte zunächst geheißen, der Produzent habe für den rund zweistündigen Film fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) von rund 100 jüdischen Spendern eingesammelt.

Der umstrittene amerikanische Pastor Terry Jones in Florida, der mit einer Koranverbrennung weltweit für Proteste gesorgt hatte, wollte den Film in den USA öffentlich zeigen.

Ein Zusammenhang mit den weltweiten Protesten wurde zunächst auch bei einem Zwischenfall im US-Konsulat in Berlin vermutet. Das Gebäude war am Mittag teilweise geräumt worden, nachdem mehrere Menschen plötzlich über Atemwegprobleme geklagt hatten. Der Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr wurde nach mehreren Stunden beendet. «Es wurde keine Gefahr festgestellt, darum wurde das Gebäude wieder freigegeben», sagte eine Polizeisprecherin.