Magdeburg (dpa) - Die Pannen bei der Aufklärung der rechtsextremistischen Mordserie kosten immer mehr Top-Verfassungsschützer ihr Amt. Nach dem Leiter des Bundesamtes und der Behördenchefs von Sachsen und Thüringen tritt auch der oberste Verfassungsschützer Sachsen Anhalts zurück.

Der Bitte von Volker Limburg sei entsprochen worden, teilte das Innenministerium am Donnerstag in Magdeburg mit. Ausschlaggebend sei wohl eine Panne mit einer Akte des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) über das Mitglied der Neonazi-Terrorzelle Uwe Mundlos gewesen, sagte Innenstaatssekretär Ulf Gundlach (CDU).

Ganz überraschend komme der Schritt nicht. Limburg, der den Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt seit 2000 leitete, habe auch aus gesundheitlichen Gründen bereits darüber nachgedacht, in den Ruhestand zu gehen.

Die Akte war am Mittwoch in Magdeburg erst gefunden worden, nachdem der MAD im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages eingeräumt hatte, sie 1995 angelegt und nach Sachsen-Anhalt geschickt zu haben. Den Angaben zufolge war sie zunächst nicht entdeckt worden, weil der Verfassungsschutz nicht gezielt nach Mundlos, sondern nach dem «Nationalsozialistischen Untergrund» (NSU) und rechtsextremen Parteien gesucht hatte. Nach dem Hinweis des MAD war die Akte aus dem Jahr 1995 - in dem Jahr gab es die NSU noch nicht - dann aufgetaucht.

Zuvor hatte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) immer erklärt, das Land besitze keine Unterlagen über Verbindungen des Landes zur NSU. Stahlknecht selbst war am Donnerstag nicht zu erreichen. Er hatte sich am Mittwoch noch hinter Limburg gestellt.

Wegen der Pannen bei der Fahndung nach der Terrorzelle hatten bundesweit bislang drei Chefs von Verfassungsschutzbehörden ihren Posten geräumt. Nach der Vernichtung von Akten hatte der Präsident des Bundesamtes, Heinz Fromm, am 2. Juli um seine Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand gebeten. In Thüringen war Verfassungsschutz-Präsident Thomas Sippel in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Ebenfalls Anfang Juli hatte in Sachsen Reinhard Boos sein Amt aufgegeben.