Berlin (dpa) - Im Honorarstreit mit den gesetzlichen Krankenkassen wollen niedergelassene Ärzte in großem Stil ihre Praxen geschlossen halten. Eine Urabstimmung unter den Medizinern habe dafür eine eindeutige Mehrheit ergeben, verlautete aus Kreisen der Ärzteschaft.

«Es ist ein ganz eindeutiges Votum», sagte ein Verbandsvertreter der Deutschen Presse-Agentur. Voraussichtlich Ende September werde es für eine begrenzte Zeit Praxisschließungen geben.

Den Patienten droht damit, dass ein großer Teil der knapp 90 000 Arztpraxen zeitweise geschlossen bleibt. Die Proteste der Ärzte richten sich gegen die gesetzlichen Krankenkassen. Die Mediziner beklagen, dass geplante Honorarsteigerungen fürs kommende Jahr zu gering ausfielen. Getragen werden die Proteste vor allem von Fachärzten. Die Hausärzte sind überwiegend zögerlich, weil viele von ihnen auf Hausarztverträge mit einzelnen Krankenkassen setzen. Viele Hausärzte, die nicht durch solche Verträge gebunden sind, hätten sich an der Ärztebefragung aber auch beteiligt und für Streiks gestimmt, hieß es.

Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung ermahnte streikbereite Ärzte, Schwerstkranke von Protesten auszunehmen. «Es wäre für uns nicht zu akzeptieren, wenn Schwerstkranke auf einem Anrufbeantworter ihres niedergelassenen Arztes landen», sagte Vorstand Eugen Brysch in Berlin.

Sterbende und schwerstpflegebedürftige Patienten bräuchten weiterhin eine optimale Schmerztherapie und die Behandlung ihrer Symptome. «Deshalb müssen die Ärzte Patienten der Pflegestufe 2 und 3 oder in der Sterbebegleitung ausdrücklich aus dem Streik heraushalten.»