Hannover/Paris (dpa) - Die Fusionspläne zwischen dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS und der britischen BAE Systems stellen nach Ansicht von EADS-Chef Tom Enders eine «einzigartige Chance» dar.

In einem der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden internen Schreiben an die Mitarbeiter betont Enders: «Gemeinsam würden wir ein weltweit führendes Unternehmen der Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie schaffen».

Die Pläne haben aber noch nicht die Zustimmung des französischen EADS-Großaktionärs Arnaud Lagardère. Bevor die Lagardère-Gruppe grünes Licht gebe, müssten alle möglichen Konsequenzen geprüft werden, ließ der Unternehmer und EADS-Chefkontrolleur am Donnerstag mitteilen. Das Projekt sei dem EADS-Verwaltungsrat offiziell noch nicht vorgelegt worden.

Der Chef der größten EADS-Tochter Airbus, Fabrice Brégier, begrüßte ebenfalls die Möglichkeit einer solchen Fusion. Sie würde Airbus zum Teil einer insgesamt gestärkten Gruppe machen. Die täglichen Arbeitsabläufe des europäischen Flugzeugbauers blieben dadurch aber unberührt, meint Brégier ebenfalls in einem internen Schreiben an die Belegschaft. Weder an der Organisation noch den Strategien oder Produktionsplänen von Airbus dürfte sich dadurch etwas ändern, betonte Brégier.

EADS und BAE Systems hatten am Vorabend bestätigt, über einen Zusammenschluss zu verhandeln. Dabei würde ein neuer europäischer Rüstungsgigant entstehen, der den US-amerikanischen Rivalen Boeing beim Umsatz nicht nur überholen, sondern sogar deutlich abhängen würde. Laut BAE würde EADS 60 Prozent der Anteile erhalten. Geplant ist, dass die französische, deutsche und britische Regierung jeweils Sonderaktien erhalten, um ihre Interessen in dem sensiblen Rüstungsbereich zu wahren.

In Großbritannien stießen die Pläne auf erste Kritik. Der linksliberale «Guardian» meinte: «BAE Systems, der größte Industrie-Arbeitgeber im Land, will sich an die französisch-deutsche Gruppe EADS verkaufen.» Die linksliberale Zeitung stellt fest, dass EADS künftig 60 Prozent gehören sollen und es bisher keine Festlegungen zur Zusammensetzung der Führungsgremien gebe. Man könne jedoch davon ausgehe, dass der Firmensitz nicht in Großbritannien liege.

Auch der «Independent» kritisierte: «Gerade als Großbritanniens Industrie-Renaissance starten soll, fällt unser strategisch wichtigstes Unternehmen einem Konkurrenten aus Europa in die Arme.» Vom «Beigeschmack eines überraschenden Militärschlages» sprach die «Financial Times». BAE schlage damit einen strategischen Purzelbaum und bewege sich weg vom Premium-Anbieter für den Rüstungsriesen USA und hin zum zivilen europäischen Markt.