New York (dpa) - Die Welle der Gewalt radikaler Muslime wegen eines islamfeindlichen Internetvideos hat weltweit Besorgnis ausgelöst. Der Sicherheitsrat verurteilte die Angriffe auf westliche Botschaften und forderte die Regierungen der betroffenen Staaten auf, ausländische Vertretungen effizient zu schützen.

Malaysia und andere Staaten verschärften am Samstag die Sicherheitsvorkehrungen besonders vor US-Institutionen. Der malaysische Innenminister Hishammuddin Hussein erklärte: «Ich habe begriffen, dass so ein Film den geheimen Zweck verfolgt, eine negative Reaktion der muslimischen Gemeinschaft zu provozieren.» Das könne er nicht hinnehmen.

Die Proteste erreichten am Samstag Australien. In Sydney setzte die Polizei Tränengas gegen Hunderte demonstrierende Muslime ein, die zum US-Konsulat ziehen wollten. Es habe Verletzte gegeben, berichtete der Fernsehsender ABC. Teilnehmer trugen schwarze Dschihad-Fahnen sowie Transparente mit der Aufschrift: «Enthauptet all jene, die den Propheten beleidigen.» Auch Parolen gegen Kopten waren zu hören.

Das in den USA privat hergestellte kurze Video stellt den Propheten Mohammed als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dar. YouTube hat den Zugang zu dem Film in Libyen, Ägypten, Indien und Indonesien zeitweise gesperrt. Der Mutterkonzern Google begründete dies mit «der sehr schwierigen Situation in Libyen und Ägypten» sowie mit Gerichtsbeschlüssen in den beiden anderen Ländern.

Nach den Freitagsgebeten war es in islamischen Ländern von Indonesien bis Tunesien zu gewaltsamen Protesten gegen den Film gekommen. Vor allem US-Botschaften, aber auch die deutsche und die britische Botschaft in Khartum wurden attackiert. In Tunis, Tripoli und Khartum wurden mehrere Menschen getötet.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, wertete die Attacken auf Botschaften als Anschläge auf die Demokratie. «Extreme Gruppen instrumentalisieren das Video, um zu provozieren, Hass zu säen und die jungen Demokratien zu destabilisieren», sagte er dem Nachrichtenmagazin «Focus». Das nütze dem Demokratisierungsprozess nicht. «Es waren vielmehr Anschläge auf die jungen Demokratien.»

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) mahnte im «Focus»: «Wichtig ist, dass wir die jetzigen Proteste nicht verallgemeinern: Die Mehrheit der Menschen in den arabischen Ländern will friedliche Veränderungen und lehnt Gewalt ab.» Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) nannte es in der «Neuen Osnabrücker Zeitung» «wichtig, dass wir uns im islamischen Raum weiter entwicklungspolitisch engagieren». Dies trage zur Stabilisierung fragiler Staaten bei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte am Freitagabend: «Gewalt darf nie Mittel der politischen Auseinandersetzung sein.» EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nannte die Attacken «absolut inakzeptabel».

ABC-Bericht