Istanbul/Kairo (dpa) - Die anti-westliche Gewalt radikaler Muslime wegen eines islamfeindlichen Internetvideos hat weltweit Besorgnis ausgelöst.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Angriffe auf Botschaften in mehreren islamischen Ländern und forderte die Regierungen der betroffenen Staaten auf, ausländische Vertretungen effizient zu schützen.

In den arabischen Ländern kehrte zunächst wieder Ruhe ein. Ägyptische Sicherheitskräfte räumten den zentralen Kairoer Tahrir-Platz und die Straßen zur nahe liegenden US-Botschaft, wo seit Tagen protestiert wurde. In Ägypten hatten die inzwischen weltweiten Proteste am Dienstag mit einem Sturm auf die US-Vertretung begonnen.

Andernorts flammten neue Proteste auf. In Sydney setzte die Polizei Tränengas gegen Hunderte demonstrierende Muslime ein, die zum US-Konsulat ziehen wollten. Es habe Verletzte gegeben, berichtete der Fernsehsender ABC. Teilnehmer trugen schwarze Dschihad-Fahnen sowie Transparente mit der Aufschrift: «Enthauptet all jene, die den Propheten beleidigen.» Auch Parolen gegen Kopten waren zu hören. Malaysia und andere Staaten verschärften derweil die Sicherheitsvorkehrungen besonders vor US-Institutionen.

Das in den USA privat hergestellte kurze Video stellt den Propheten Mohammed als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dar. YouTube hat den Zugang zu dem Film in Libyen, Ägypten, Indien und Indonesien zeitweise gesperrt. Nach Recherchen von US-Medien soll an dem Filmprojekt auch ein koptischer Christ beteiligt gewesen sein. Die christliche Minderheit der Kopten fühlt sich in Ägypten von der muslimischen Bevölkerungsmehrheit unterdrückt und diskriminiert.

Zum muslimischen Wochenende hatten die Demonstrationen gegen den Film ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Nach den Freitagsgebeten war es in islamischen Ländern von Indonesien bis Tunesien zu gewaltsamen Protesten gegen den Film gekommen. Vor allem US-Botschaften, aber auch die deutsche und die britische Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum wurden attackiert. In Tunis, Tripoli und Khartum wurden mehrere Menschen getötet.

Ägyptische Zeitungen begrüßten die Demonstrationen, verurteilten aber die Gewaltexzesse. Die unabhängige Kairoer Tageszeitung «Al-Shorouk» bedauerte auf dem Titel ihrer Samstagsausgabe, dass der Zorn den Verstand besiegt habe.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) mahnte im «Focus»: «Wichtig ist, dass wir die jetzigen Proteste nicht verallgemeinern: Die Mehrheit der Menschen in den arabischen Ländern will friedliche Veränderungen und lehnt Gewalt ab.» Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte am Freitagabend: «Gewalt darf nie Mittel der politischen Auseinandersetzung sein.»

ABC-Bericht