New York/Kairo (dpa) - Der Gewaltausbruch in weiten Teilen der muslimischen Welt wegen eines islamfeindlichen Internetvideos sorgt international für Besorgnis.

Der Weltsicherheitsrat verurteilte die Angriffe auf mehrere westliche Botschaften scharf und forderte die Regierungen der betroffenen Staaten auf, ihren Verpflichtungen zum Schutz ausländischer Vertretungen nachzukommen. Ähnlich äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel. «Gewalt darf nie Mittel der politischen Auseinandersetzung sein», erklärte sie am Freitagabend. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nannte die Attacken «absolut inakzeptabel».

Nach den traditionellen Freitagsgebeten war es in vielen islamischen Ländern, von Bangladesch bis Tunesien, zu gewaltsamen Protesten gekommen. Dabei kamen erneut mehrere Menschen ums Leben.

Im Sudan wurde die deutsche Botschaft von wütenden Demonstranten angegriffen, in Brand gesteckt und erheblich zerstört. Auch die britische Botschaft wurde attackiert. Anschließend zog die aufgebrachte Menge zur US-Botschaft weiter. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gab es nach Informationen des TV-Senders Al-Arabija einen Toten.

«Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Sicherheit», sagte Außenminister Guido Westerwelle in Berlin. Botschaftsangehörige seien nicht verletzt worden, dies habe ihm der deutsche Botschafter versichert.

In Tunis kamen beim Sturm aufgebrachter Muslime auf die US-Botschaft mindestens drei Menschen ums Leben, 28 wurden nach Berichten der tunesischen Nachrichtenagentur TAP verletzt. Sicherheitskräfte versuchten mit Tränengas und Warnschüssen, die Menge zurückzuhalten.

In der libanesischen Stadt Tripoli kam ein Mensch ums Leben, 25 wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen verletzt. Demonstranten griffen eine Filiale der US-Imbisskette KFC an und setzten sie in Brand. Kurz vor den Ausschreitungen war Papst Benedikt XVI. in der Hauptstadt Beirut eingetroffen. Demonstranten riefen nach Berichten von Augenzeugen: «Wir wollen den Papst nicht» und «Keine Beleidigungen mehr».

Auch in Kairo, wo die gewaltsamen Proteste gegen das Mohammed-Schmähvideo begonnen hatten, gingen wieder Tausende auf die Straßen. Landesweit gab es bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften 200 Festnahmen.

«Die Mitglieder des Sicherheitsrates verurteilen in schärfster Form die Serie von Gewalt gegen Botschaften und konsularische Vertretungen», sagte der Präsident des Rates, der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig am Freitagabend (Ortszeit) in New York. Es gebe keinerlei Rechtfertigung dafür, «egal von wem, wann und aus welchen Motiven».

In den USA trafen unterdessen die Särge der vier in der Nacht zum Mittwoch im libyschen Bengasi getöteten US-Diplomaten ein. Präsident Barack Obama empfing die Särge am Freitagabend bei einer Zeremonie auf einem Militärflughafen bei Washington. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden, forderte er. Erste Vermutungen, das Terrornetzwerk Al-Kaida stecke hinter der Attacke auf das US-Konsulat, hätten sich aber nicht erhärtet, so das Weiße Haus.

In dem auf Youtube veröffentlichten 14-minütigen Schmähvideo wird der Prophet als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt. YouTube hat den Zugang zu dem umstrittenen Video in Libyen, Ägypten, Indien und Indonesien zeitweise gesperrt. Der Mutterkonzern Google begründete dies mit «der sehr schwierigen Situation in Libyen und Ägypten» sowie mit Gerichtsbeschlüssen in den beiden anderen Ländern.

In Deutschland blieb es rund um die Freitagsgebete ruhig. In vielen Städten hatten Imame die Gläubigen zu Besonnenheit aufgerufen. Muslime in aller Welt sollten die Provokation ignorieren und auf keinen Fall mit Gewalt reagieren, sagte der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde im bayerischen Penzberg, Benjamin Idriz. Die größte Berliner Moschee machte das Schmähvideo über den Propheten spontan zum Thema des Freitagsgebets.