Lissabon (dpa) - Die Sanierungsbemühungen von Schuldensünder Portugal sind von den Kapitalmärkten ungeachtet jüngster Rückschläge honoriert worden. Das Euroland bekam am Mittwoch frisches Geld zu deutlich günstigeren Konditionen als zuletzt.

Wie die Schuldenagentur (IGCP) in Lissabon mitteilte, wurden Staatsanleihen in Gesamtwert von zwei Milliarden Euro platziert. Das Einnahmeziel wurde damit sogar um 250 Millionen übertroffen.

Bei der Versteigerung einer Anleihe mit 18-monatiger Laufzeit seien 1,291 Milliarden in die Staatskassen geflossen, hieß es. Dabei sei der Zinssatz im Vergleich zur letzten entsprechenden Emission vom 4. April von 4,537 auf 2,967 deutlich gesunken.

Ein zweites Geldmarkt-Papier mit einer Laufzeit von sechs Monaten kam im Gesamtwert von 709 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 1,7 Prozent unter dem Hammer. Im Juli hatte Portugal für sechsmonatige Anleihen noch eine Rendite von 2,292 Prozent anbieten müssen. Die Auktionen waren jeweils 2,4-fach sowie 3,1-fach überzeichnet.

Der Investmentchef der Bank Banco Carregosa, Filipe Silva, bezeichnete die Emissionen als Erfolg. Die jüngsten Rückschläge bei der Sanierung, die Massenproteste vom Wochenende gegen die neuesten Sparmaßnahmen und die Sorge vor einer Regierungskrise hätten überhaupt keinen Einfluss gehabt. Die Nachfrage der Investoren nach kurzläufigen portugiesischer Schuldpapieren sei sehr groß, sagte Silva der Nachrichtenagentur Lusa.

Portugal hängt seit 2011 am internationalen Finanztropf und war bei der Sanierung der Staatsfinanzen lange Zeit erfolgreich. Im August hatte Lissabon aber eingeräumt, man werde wegen des Einbruchs der Steuereinnahmen infolge der Rezession das für 2012 festgelegte Haushaltsdefizit-Ziel ohne zusätzliche Sparmaßnahmen nicht mehr erreichen. Die «Troika» aus Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank (EZB), die Portugal 2011 mit einem 78-Milliarden-Euro-Paket unter die Arme griff, verlängerte daraufhin das Sanierungsprogramm des Landes um ein Jahr auf 2014.

IGCP