Goiânia (dpa) - Erst ein Elfmetertor von Stürmerstar Neymar in letzter Minute hat Brasilien einen glücklichen Sieg über Argentinien beschert und die aufgebrachten Fans des Fußball-Rekordweltmeisters einigermaßen besänftigt.

Viele Zuschauer quittierten die schwache Leistung beim 2:1 (1:1) in Goiânia mit Pfiffen und forderten eine Rückkehr des bei Palmeiras gefeuerten Ex-Nationaltrainers Luiz Felipe Scolari. Nationalcoach Mano Menezes musste sich dagegen «Adeus, Mano»-Rufe anhören.

Sie verstummten erst, nachdem Neymar in der Nachspielzeit (90.+3) per Handelfmeter zum Sieg traf. Paulinho hatte vor heimischem Publikum in der 25. Minute für den WM-Gastgeber von 2014 ausgeglichen. Erzrivale Argentinien war durch den für Corinthians Sao Paulo spielenden Juan Manuel Martínez (19.) in Führung gegangen.

Menezes führte den Unmut der Zuschauer im Serra-Dourada-Stadion lediglich auf die Auswechslung des bis dahin stark spielenden Lucas zurück. «Die Fans haben ihre Vorlieben. Mein Job ist es, die Nationalmannschaft besser zu machen. Das ist gelungen, und so haben wir am Ende gewonnen», erklärte der Coach.

Neymar beschwerte sich nach der lauen Partie über die Pfiffe während des Hinspiels im «Superclássico das Américas» und meinte: «Man sollte bis zum Schluss warten. Niemand wird gern ausgepfiffen, niemand wird gern kritisiert. Wir geben unser Bestes auf dem Platz.»

Die Sportzeitung «Lance!» attestierte der Seleção jedoch ein schlechtes Spiel und kritisierte «ein Festival von Fehlpässen und Stellungsfehlern». «O Globo» sieht Nationalcoach Menezes, dessen Olympia-Auswahl Gold in London verpasst hatte, einem «unerbittlichen Druck» ausgesetzt.

Erst der Elfmeterpfiff des paraguayischen Schiedsrichters Carlos Amarilla nach einem Handspiel von Leandro Desábato sowie Neymars Treffsicherheit erlösten die Gastgeber. Bis dahin war der 20-Jährige kaum in Erscheinung getreten. Für das Rückspiel gab sich Neymar optimistisch: «Dort wird das Spiel ganz anders sein. Sie haben hier verloren und werden uns angreifen.» Die zweite Partie findet am 3. Oktober im argentinischen Resistencia statt. Dort reicht Brasilien ein Unentschieden für den erneuten Gesamtsieg nach dem Erfolg bei der Erstauflage des «Superclássico» im Vorjahr.

Auch im Rückspiel muss Argentinien ohne seinen Topstar Lionel Messi vom FC Barcelona antreten, denn die Regularien des Wettbewerbs lassen nur Spieler aus den Ligen der beiden Länder zu. Im Juni hatte Messi bei Argentiniens 4:3-Sieg über Brasilien gleich dreimal getroffen. Der «Superclássico das Américas» steht in der Nachfolge der «Copa Roca» zwischen Brasilien und Argentinien, der zwischen 1914 und 1976 unregelmäßig ausgetragen wurde.