Berlin (dpa) - Vertrauliche Dokumente der Berliner Polizei nähren laut einem Medienbericht Zweifel an den Aussagen des Innensenators Frank Henkel (CDU) in der Affäre um einen V-Mann im Neonazi-Milieu.

Ein vertrauliches Schreiben des Berliner Staatsschutz-Chefs Oliver Stepien an die Bundesanwaltschaft von Anfang April belege, dass die Polizei die Akten über den V-Mann Thomas S. habe zurückhalten wollen, berichtet der «Spiegel». Demnach soll der Beamte die Übersendung aller Akten nach Karlsruhe verweigert haben, weil mit Blick auf den Bundestag «Einsicht durch den Untersuchungsausschuss nicht ausgeschlossen werden» könne.

Ein Sprecher der Berliner Innenverwaltung sagte am Sonntag, der Bericht sei inhaltlich nicht neu. Polizeisprecher Stefan Redlich sagte der Nachrichtenagentur dpa, der «Spiegel» zitiere nur einen Satz aus dem sechsseitigen Schreiben. Auf der ersten Seite stehe auch, dass die Berliner Polizei das Ziel verfolge, alle Bezüge des V-Mannes zum NSU «grundsätzlich offen zu kommunizieren». Die Bundesanwaltschaft wollte sich nicht erneut dazu äußern.

Die Polizeiführung hatte im Berliner Innenausschuss erklärt, bevor die V-Mann-Akten komplett hätten übermittelt werden können, habe wie vorgeschrieben geklärt werden müssen, ob die dem V-Mann zugesicherte Vertraulichkeit und dessen Sicherheit auf dem Spiel stünden. Dass der NSU-Ausschuss erst im Juli informiert wurde, hatte Henkel mit einer angeblichen Geheimhaltungsvereinbarung zwischen der Berliner Polizei und der Bundesanwaltschaft begründet. Die bestreitet dies aber.