Berlin (dpa) - Motorsportchef Norbert Haug betrachtet das Projekt Michael Schumacher im Silberpfeil nicht als gescheitert. «Nein. Mit einem Siegerauto hätte Michael gewonnen», sagte Haug in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag.

Zwei Tage zuvor hatte Mercedes das Ende des Schumacher-Engagements als Pilot nach der laufenden Saison erklärt. Für den 43-Jährigen wird Lewis Hamilton von McLaren das Steuer übernehmen. «Michael hat eine lange Bedenkzeit gehabt», betonte Haug.

Wünschen Sie sich, dass Michael Schumacher seine Karriere nach dem Aus bei Mercedes fortsetzt?

Haug: «Wir werden alles Weitere besprechen, sobald die Zeit dazu ist. Jetzt konzentrieren wir uns gemeinsam auf die nächsten sechs Rennen und dann auf das, was danach kommt.»

Inwiefern hat Schumachers Zögern eine Rolle bei der Entscheidung gespielt - oder waren es die ausgebliebenen Erfolge?

Haug: «Michael hat eine lange Bedenkzeit gehabt, er war sich bestimmt nicht endgültig sicher, ob es weitergehen soll oder nicht. Und Michael war bekannt, dass wir uns Alternativen erarbeiten mussten, und darüber wurde auch gesprochen.»

Würden Sie das Unternehmen Schumacher im Silberpfeil als gescheitert betrachten?

Haug: «Nein. Mit einem Siegerauto hätte Michael gewonnen. Wir sind ein junges Team, in drei Jahren ein Auto zu bauen, das immer auf oberstem Niveau ist, gelang selten einem Team. Wir gewannen in unserem dritten Jahr den Großen Preis von China mit Nico Rosberg, Michael wurde als Zweiter nach dem Boxenstopp wegen einer nicht fixierten Radmutter ohne Schuld aus dem Rennen gerissen. Er war anschließend Qualifikationsschnellster in Monaco, wo Rosberg keine Sekunde hinter dem Sieger Zweiter wurde und Michael stand vor sieben Rennen als Dritter auf dem Podium. Durchgängig waren unsere Leistungen bisher nicht gut genug. Aber wir werden uns mit härtester Arbeit steigern.»

Wie viel Eingewöhnungszeit bis zum ersten Sieg bekommt Lewis Hamilton?

Haug: «Müßig, sich darüber öffentlich Gedanken zu machen, wir wollen gemeinsam nach vorne.»

Muss sich Nico Rosberg nun mit der Rolle als Nummer 2 hinter Hamilton abfinden?

Haug: «Sicher nicht.»