Athen/Madrid (dpa) - Düstere Aussichten für Athen und Rekordarbeitslosigkeit in der Euro-Zone: Auch im kommenden Jahr wird die Wirtschaft im pleitebedrohten Griechenland wohl wieder deutlich schrumpfen.

Auf bis zu vier Prozent werde sich der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) belaufen, sagte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums der Nachrichtenagentur dpa. Nach gut einwöchiger Pause setzte die Geldgeber-«Troika» ihre Kontrollen in Athen fort. In Spanien reagierten die Finanzmärkte unterdessen positiv auf die Ergebnisse des Banken-Stresstests. Dagegen macht sich die Krise auf dem europäischen Arbeitsmarkt mit voller Wucht bemerkbar.

So erreichte die Arbeitslosigkeit in den 17 Euro-Ländern im August einen neuen Rekord. 18,2 Millionen Menschen waren ohne Job - so viele wie noch nie seit Einführung des Euro. Das entsprach einer Quote von 11,4 Prozent, wie das Europäische Statistikamt Eurostat in Luxemburg mitteilte. Im Vergleich zum Vormonat Juli wurden 34 000 mehr Arbeitslose gezählt; gegenüber dem Vorjahr war das ein Anstieg von mehr als zwei Millionen.

Seit mehr als einem Jahr steigt die Arbeitslosigkeit stetig. Besonders angespannt ist die Lage in den südeuropäischen Euro-Krisenländern Spanien, Griechenland, Portugal und Zypern. Auftragsverluste, Firmenpleiten und Entlassungen belasten dort den Arbeitsmarkt. In Spanien ist jeder Vierte ohne Arbeit, in Griechenland inzwischen ebenfalls fast jeder Vierte.

Unterdessen ist das Treffen der «Troika»-Geldgeber mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras am Montagabend nach etwa 35 Minuten ohne konkretes Ergebnis zu Ende gegangen. «Sie (die Troika) wollen einige Erläuterungen des (Spar)Programms, das wir ihnen präsentiert haben», sagte der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras nach dem Treffen. «Wir werden uns wiedertreffen». Experten aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) überprüfen derzeit das Sparprogramm. Ein positiver Bericht ist Voraussetzung für die Auszahlung einer nächsten Hilfstranche an das pleitebedrohte Euro-Land von 31,5 Milliarden Euro.

Die Summe der nötigen Sparmaßnahmen in Athen wird immer größer. Nach 11,5 Milliarden Euro bis vor einigen Wochen ist nun von 13,5 bis 14,5 Milliarden Euro die Rede, wie die griechische Presse am Montag berichtete.

Im Finanzministerium zeigte man sich besorgt, dass es erneut Meinungsverschiedenheiten und demnach auch Verspätungen geben könnte. Einer der wichtigsten Streitpunkte sei, dass die «Troika» auf eine sofortige Entlassung von 15 000 Staatsbediensteten poche. Athen dagegen plant eine Art Frührente für diese Menschen.

Ministerpräsident Antonis Samaras will so schnell wie möglich das grüne Licht der «Troika» erhalten und das Programm vom Parlament in Athen billigen lassen. Er wolle dann mit dem verabschiedeten Sparprogramm zum EU-Gipfel am 18. und 19. Oktober nach Brüssel reisen, heißt es in griechischen Medienberichten. Die Regierung in Athen hatte sich Donnerstag grundsätzlich auf ein knapp zwölf Milliarden Euro schweres Sparprogramm geeinigt.

Auch Spanien bleibt im Fokus: Nach Einschätzung der EU-Kommission kann das krisengeplagte Euro-Schwergewicht sein Defizitziel in diesem Jahr noch erreichen. «Das ist machbar», sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn nach einem Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy und Wirtschaftsminister Luis de Guindos in Madrid. «Die spanische Regierung setzt sich energisch dafür ein, ihre Zusage einzuhalten.»

Spanien hatte sich bei der EU dazu verpflichtet, in diesem Jahr seine Neuverschuldung auf 6,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu reduzieren. Finanzminister Cristóbal Montoro räumte am Samstag jedoch ein, dass das Defizit aufgrund der Milliarden-Hilfen für marode Banken voraussichtlich 7,4 Prozent betragen werde.

Die Finanzmärkte nahmen am Montag den spanischen Banken-Stresstest positiv auf: Bis zum frühen Nachmittag sank die spanische Anleiherendite im richtungsweisenden zehnjährigen Laufzeitbereich um 0,4 Prozentpunkte auf 5,83 Prozent. Der Euro stand zuletzt bei 1,2922 US-Dollar und damit rund einen Cent höher als noch im frühen asiatischen Handel.

Allerdings bleibt die Unsicherheit hoch. Solange die Regierung in Madrid keine Klarheit über einen neuen Hilfsantrag schafft, dürfte die Skepsis anhalten. Zudem erwarten Investoren eine wichtige Entscheidung der Ratingagentur Moody's. Nachdem die Agentur Spaniens Bonitätsnote im Juni bis auf eine Stufe über das gefürchtete Ramsch-Niveau gesenkt hatte, stellte sie bis Ende September eine weitere Abstufung in Aussicht. Nun wartet der Markt auf das Urteil, mit dem viele Händler bereits am Freitag gerechnet hatten.

Mitteilung Eurostat