München (dpa) - Die Chefs der Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems haben angesichts großer Vorbehalte bei den beteiligten Regierungen noch einmal für einen Zusammenschluss der beiden Unternehmen geworben.

«Wenn sich die Gelegenheit ergibt, etwas noch Größeres und Besseres zu schaffen, dann müssen wir zugreifen», mahnten EADS-Vorstandschef Tom Enders und Ian King, der die Geschäfte der britischen BAE Systems leitet, in einem Gastbeitrag für die «Süddeutsche Zeitung».

Enders und King appellieren an die Regierungen in Deutschland und Frankreich, ihre bisher kontrollierten Anteile an EADS aufzugeben und sich mit einer «goldenen Aktie», die auch künftig Einfluss sichert, zufriedenzugeben. Bisher verfügen Frankreich und Deutschland direkt und indirekt über jeweils gut 22 Prozent der EADS-Anteile, die deutschen Interessen nimmt dabei der Autokonzern Daimler wahr. Bei BAE Systems sind keine Staaten direkt oder indirekt Großaktionäre.

«Es würde ein Unternehmen mit einer Verfassung geschaffen, die einen normalen Unternehmensbetrieb erlaubt und allen Anteilseignern - kleinen wie großen - die gleichen Rechte einräumt», schreiben die beiden Manager.

Nach einem «Spiegel»-Bericht wollen Deutschland und Frankreich jedoch ihre Anteile in einem fusionierten Konzern jeweils nur auf neun Prozent beschränken - was der von Enders und King ausgegebenen Linie widerspricht.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte die Fusion in einem Interview am Wochenende an mehrere Bedingungen geknüpft. Dazu zähle, dass das Gleichgewicht zwischen Deutschland und Frankreich nach einem Zusammenschluss erhalten bleibe und Deutschland keine Einbußen als Produktionsstandort hinnehmen müsse. Eine offizielle Stellungnahme der Regierungen zu dem Vorhaben wird bis zum 10. Oktober erwartet. Neben Deutschland, Frankreich und Großbritannien reden auch die USA und die EU-Kommission mit. Knackpunkt ist vor allem das sensible Rüstungsgeschäft.

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