Paris (dpa) - Die Fusionspläne der europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems stehen mehr denn je auf der Kippe.

Der französische EADS-Großaktionär Arnaud Lagardère bezeichnete die derzeitigen Rahmenbedingungen des Projekts am Montag als unbefriedigend und forderte die Unternehmensspitze zu einer Überarbeitung auf. Es sei nicht klar, welcher Mehrwert für EADS entstünde, ließ Lagardère mitteilen.

Die deutliche Stellungnahme des Franzosen gilt als herber Dämpfer für die EADS-Spitze um Thomas Enders, die den Konzern mit dem britischen Branchenriesen BAE Systems fusionieren will. Die Lagardère-Gruppe hält zwar nur 7,5 Prozent der Anteile an EADS. Ein Aktionärspakt räumt ihr allerdings eine Vetorecht gegen Vereinbarungen über strategische Allianzen oder industrielle Zusammenarbeit ein.

Nach eigenen Angaben will Lagardère über die Neuverhandlungen erreichen, dass die Interessen der französischen Anteilseigner besser gewahrt werden. Die deutsche Bundesregierung hatte bereits in den vergangenen Tagen Bedenken gegen die Fusion geäußert. Sie hat wie die französische Regierung und der Daimler-Konzern ebenfalls ein Einspruchsrecht.

Am Montag betonten Regierungsvertreter, dass Deutschland und Frankreich sich derzeit noch nicht öffentlich auf eine gemeinsame Position zur Fusion festgelegt hätten. «Dieser Dialog zwischen uns ist sehr offen», sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian nach einem Treffen der Außen- und Verteidigungsminister beider Länder im baden-württembergischen Müllheim.

Der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière machte deutlich, dass selbst der Zeitplan noch offen sei, nach dem es bis zum 10. Oktober zu einer Entscheidung kommen soll. «Auch die Frage des Zeitplans ist Gegenstand von Verhandlungen», sagte der CDU-Politiker.

Die Chefs von EADS und BAE Systems machten unterdessen weiter Druck. «Wenn sich die Gelegenheit ergibt, etwas noch Größeres und Besseres zu schaffen, dann müssen wir zugreifen», mahnten EADS-Vorstandschef Tom Enders und Ian King, der die Geschäfte der britischen BAE Systems leitet, in einem Gastbeitrag für die «Süddeutsche Zeitung» (Montag).

Enders und King appellieren an die Regierungen in Deutschland und Frankreich, ihre bisher kontrollierten Anteile an EADS aufzugeben und sich mit einer «goldenen Aktie», die auch künftig Einfluss sichert, zufriedenzugeben.

Bisher verfügen Frankreich und Deutschland direkt und indirekt über jeweils gut 22 Prozent der EADS-Anteile, die deutschen Interessen nimmt dabei der Autokonzern Daimler wahr. Bei BAE Systems sind keine Staaten direkt oder indirekt Großaktionäre.

Laut «Spiegel» haben sich Deutschland und Frankreich auf eine gemeinsame Strategie verständigt, nach der sie jeweils neun Prozent an einem fusionierten Konzern halten wollten. Die beiden Übernehmen möchten den beteiligten Staaten hingegen nur ein Vetorecht bei feindlichen Übernahmen über eine «goldene Aktie» einräumen.

Frankreichs Verteidigungsminister Le Drian nannte das Fusionsvorhaben «durchaus interessant und verführerisch», fügte aber hinzu: «Die Folgen sind sehr komplex.» De Maizière kritisierte die öffentliche Debatte über das Vorhaben. «Bei dieser Frage wird viel zu viel öffentlich geredet», sagte er. «Wir möchten die Debatte, die es gibt, nicht durch irgendwelche Spekulationen befördern.»

Lagardère-Mitteilung